Auf Nummer sicher – Notfälle und Notfallvorsorge als Teil der KEK-Förderung

Die KEK wurde als Reaktion auf Katastrophen wie den Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln 2009 und den Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek 2004 gegründet. Diese Ereignisse machten unmittelbar deutlich, welche verheerenden Auswirkungen unvorhergesehene Notfälle für das schriftliche Kulturgut haben können und wie wichtig es ist, entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Daher spielen die Notfallvorsorge und auch die Sicherung bereits durch Katastrophen wie Brand, Hochwasser oder Krieg beschädigter Objekte eine wichtige Rolle bei der KEK-Förderung.

Archivgut im Schutt, Köln 2009. Foto © Stadt Köln

Notfallvorsorge

Seit ihrer Gründung im Jahr 2010 hat die KEK 28 Projekte zur Notfallvorsorge mit einer Gesamtsumme von rund 250.000 Euro gefördert. Prävention hat heute bei vielen Archiven und Bibliotheken einen höheren Stellenwert als noch vor einigen Jahren. Vorbereitende Maßnahmen reichen von der Anschaffung von Notfallboxen, die Durchführung von Katastrophenübungen bis hin zum Zusammenschluss zu regionalen Notfallverbünden. Diese Notfallverbünde erarbeiten gemeinsam Konzepte, um im Fall einer Katastrophe schnell und koordiniert handeln zu können. Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist die Website notfallverbund.de, auf der zahlreiche Informationen zur Prävention abrufbar sind. So soll eine Grundlage geschaffen werden, um betroffenes Kulturgut in Sicherheit bringen zu können und zügig Ersthilfe zu leisten.

Eine Übersicht dieser Projekte finden Sie hier.

Notfallübung im LWL-Archivamt in Münster. Foto © LWL-Archivamt für Westfalen

Langfristige Notfallbewältigung

Plötzliche eintretende Katastrophen und Notfälle betreffen Archiv und Bibliotheken nicht nur akut, sondern stellen auch langfristig eine große Herausforderung dar. Die Restaurierung von brand- oder hochwassergeschädigten Objekten ist ein enormes und zeitaufwändiges Unterfangen, das selten im normalen Tagesbetrieb bewältigt werden kann. Diese Schäden liegen teilweise seit mehreren Jahrzehnten vor, beispielsweise als Folge des Zweiten Weltkriegs, da sie aufgrund knapper Ressourcen und fehlenden Fachwissens nicht umfassend behandelt werden konnten. In den vergangenen Jahren konnten durch die Förderung der KEK zahlreiche dieser Schäden behandelt werden: Von 2010 bis 2018 wurden im Rahmen der KEK-Modellprojektförderung und des BKM-Sonderprogramms 659.510 Euro zur Förderung der Behandlung von Wasser-, Brand-, und Kriegsschäden bereitgestellt. Besonders bemerkenswert ist hierbei, dass mit 333.060 Euro mehr als die Hälfte dieser Fördersumme kommunalen Einrichtungen zu Gute kam. Dies lässt vermuten, dass gerade auf kommunaler Ebene ein großer Bedarf für Fördergelder besteht, um Notfallschäden nachhaltig behandeln zu können.

 

 

Ausgewählte Projekte

Wie lange Archive und Bibliotheken mit den Folgen von Bränden, Wasserschäden oder Kriegszerstörungen zu kämpfen haben und dass sich diese Katastrophen oft gegenseitig bedingen zeigen die folgenden Projekte.

Brandschaden

In Wasserburg am Inn zerstörte am 1. Mai 1874 ein Feuer den Dachstuhl des Rathauses. Obwohl das sich im selben Gebäude befindende „Alte Archiv“ der Stadt den Brand überwiegend unbeschadet überstand, wurden die Archivalien nach der Katastrophe nicht schnell genug geborgen – durch das zerstörte Dach drang Regenwasser ein und führte zu Schimmelbildung an dem bedeutenden Schriftgut. Im Jahr 2002, fast 130 Jahre nach dem Brand, wurde damit begonnen, die Schäden systematisch zu erfassten und zu behandeln – seit 2011 mit Hilfe der KEK: Insgesamt wurden bislang 114.260 Euro in beiden Förderlinien für die Sicherung und Restaurierung der Archivalien bereitgestellt.

Schriftliches Kulturgut in ganz Deutschland ist von Brandkatastrophen bedroht. Durch die KEK-Förderung konnten in den letzten Jahren betroffene Bestände von Sylt bis München gesichert und restauriert werden. Hier finden Sie eine Übersicht aller Projekte.

Stadtarchiv Wasserburg, Kasten E des Kommunalarchivs. © Stadtarchiv Wasserburg

Wasserschaden

Auch im Fall des Niedersächsischen Hauptstaatsarchivs in Hannover kamen mehrere Katastrophen zusammen: Während des Zweiten Weltkriegs verbrannte ein Teil der wichtigen Überlieferung in dem von einem Bombentreffer beschädigten Archivbau. Kein ganzes Jahr nach Kriegsende, im Februar 1946, führte die Leine Hochwasser. Innerhalb von Stunden standen die Archivräume mehr als 2 Meter tief unter Wasser – tagelang. Die Dokumente waren durch das schlammige Leinewasser nicht nur durchnässt und in der Folge von Schimmel befallen, der Schlamm verhärtete sich beim Trocknen auch und führte zu Verblockungen an diesen als „Backsteine“ bezeichneten Akten. Seit über 60 Jahren sind 190 laufende Meter der am stärksten betroffenen Dokumente nicht nutzbar. Da diese Archivalien wichtige Bestände der Jahre 1806 bis 1813 beinhalten, besteht für die Erforschung der Napoleonischen Herrschaft in Norddeutschland eine große Materiallücke. Durch die KEK-Modellprojektförderung konnte ein Restaurierungskonzept erstellt werden – ein erster Schritt auf dem Weg dieses einzigartige schriftliche Kulturgut nachhaltig zu sichern.

Im Rahmen der KEK-Modellprojektförderung und des BKM-Sonderprogramms wurden bisher insgesamt 35 Projekte gefördert, die der Behandlung von (Hoch-)Wasserschäden dienten. Die Fördersumme betrug dabei 493.035 Euro

. Hier finden Sie eine Übersicht aller Projekte.

Überschwemmung des Hauptstaatsarchivs Hannover im Februar kurz nach dem Höchststand der Hochwasserkatastrophe 1946; Hauptstaatsarchiv Hannover, Bildgutsammlung Nr. 7488. Foto © Dr. Franz Engel

Kriegszerstörung

Krieg bedroht schriftliches Kulturgut in mehrfacher Hinsicht: Brände, ausgelöst durch Bombardierungen oder Kämpfe, in der Folge Löschwassereintrag, Auslagerungen von Archiv- und Bibliotheksgut in ungeeignete Lagerräume und viele weitere Faktoren spielen hierbei eine Rolle. Doch Kulturgut kann auch im wahrsten Sinne des Wortes in die Schusslinie geraten – wie bei einem Sammelband mit Gelegenheitsschriften des 17. Jahrhunderts in der Landesbibliothek Coburg. Eine Granate durchschlug den Band während des Zweiten Weltkriegs. In der Folge dieser massiven Gewalteinwirkung verzog sich der Buchblock, die beschädigten Seiten verkanteten sich ineinander und das historische Werk war nicht mehr benutzbar. 2017 wurde es mit Hilfe der KEK-Modellprojektförderung restauriert.

Dieses und weitere Projekte zum Thema „Kriegsschaden“ finden Sie hier.