Kalenderblatt Februar: Frühneuzeitliche Privilegien und Lehnbriefe aus Pergament

 

Restaurierung von Pergamenturkunden. © Franckesche Stiftungen zu Halle (Saale)/Susan Guschel

Die Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale), begründet durch den Theologen und Sozialreformer August Hermann Francke (1663–1727), sind in vielerlei Hinsicht ein einzigartiges Sozial- und Gesellschaftsexperiment. 1692 gründete Francke in Glaucha bei Halle zunächst ein Waisenhaus. Später kamen Schulen, eine Druckerei, eine Buchhandlung, eine Apotheke und weitere Gewerbebetriebe hinzu. Dank ihrer konnten sich die Stiftungen größtenteils finanziell selbst tragen. Daneben war Francke als Theologe ein einflussreicher Lehrer, dessen Studenten den Pietismus in Brandenburg-Preußen verbreiteten und so nachhaltig Einfluss auf die Geschichte der Gebiete ausübten.

Franckes Sohn Gotthilf August (1696–1769) führte die Stiftungen nach dessen Tod weiter und vergrößerte sie. 1754 konnte er das Mannlehen Burgwahl für das Waisenhaus erwerben. Als Eigentum dieses Guts gelangten auch ältere Urkunden in den Besitz der Stiftungen, so wie der hier gezeigte Lehnbrief des Herzogs von Sachsen-Merseburg aus dem Jahr 1699. Lehnbriefe wie dieser sicherten die Besitzverhältnisse und Rechte der Stiftung. Von Francke und seinen Nachfolgern wurden sie dementsprechend sorgfältig gefaltet und aufbewahrt.

Dennoch zeigten sich nach teils mehr als 300 Jahren deutliche Schäden an den wertvollen Dokumenten. Im Jahr 2018 konnten im BKM-Sonderprogramm 48 unterschiedlich gefaltete Pergamenturkunden aus dem Zeitraum 1601 bis 1800 restauriert werden. In erster Linie mussten die gefalteten Pergamentbögen vorsichtig plangelegt werden. Zuvor war deren Öffnung nur unter Anwendung beträchtlicher Kraft möglich, was zu Beschädigungen der Dokumente und besonders der fragilen Siegel führte. Auch Schmutz hatte sich mit den Jahren auf ihnen abgelagert, sodass eine vorsichtige, aber dennoch umfangreiche Reinigung notwendig wurde. Auf diese Weise konnte etwa der abgebildete Lehnbrief behandelt werden. Das anhängende Siegel wurde gesichert und die Urkunde fachgerecht verpackt. Sie ist nun wieder lesbar und für die Forschung nutzbar.

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