Kalenderblatt Januar: Schriften der deutschsprachigen Minderheiten in Rumänien

 

Die »Neue Zeitung« erschien in den 1930er-Jahren in Timisoara. © Franziska Stutz/Helene Dorfner

Kaum ein gedrucktes Medium vermag es, so tagesaktuell und zielgruppenspezifisch Informationen zu verbreiten wie die Tageszeitung. Lange Zeit bot sie sogar die einzige Möglichkeit, aktuelle Nachrichten über soziale, kulturelle und politische Entwicklungen zu beziehen. Doch das grundlegende Charakteristikum des Mediums – seine Aktualität und damit auch Vergänglichkeit – wird ihm bei der langfristigen Aufbewahrung zum Verhängnis. Als industrielles Massenprodukt wurden Tageszeitungen ab Mitte des 19. Jahrhunderts auf minderwertigem Papier gedruckt. Dieses ist besonders stark von Säurefraß betroffen. Bedrohlich wird dies in Fällen, in denen die Überlieferung bereits durch andere Faktoren stark eingeschränkt ist. So etwa in dem vom Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) aufbewahrten Bestand an Zeitungen und Zeitschriften der deutschsprachigen Minderheiten in Rumänien. Sie spiegeln die Alltagskultur in den deutschen Siedlungsgebieten von Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1944 in Schulprogrammen, Taschenkalendern und Boulevardzeitschriften
wider.

Im Rahmen der kriegsbedingten Migrationsbewegungen in Richtung Westen – Umsiedlungen im Zuge der ›Heim ins Reich‹-Aktion ab 1940 und der 1944 einsetzenden Flucht vor der Roten Armee – konnten meist nur wenige Habseligkeiten mitgenommen werden. Verständlicherweise gehörten Alltagsgegenstände und auch Tageszeitungen nicht dazu. In den wenigen Fällen, in denen diese Objekte in ihren Entstehungsgebieten erhalten wurden, sind sie oft nicht öffentlich zugänglich. Umso bedeutender ist der Bestand in München, zu dem auch Exemplare der abgebildeten »Neuen Zeitung« zählen, die in den 1930er-Jahren in Timisoara (dt. Temeswar) in Rumänien erschien.

Aufgrund ihrer besonderen historischen Bedeutung hat das IKGS mit Hilfe des BKM-Sonderprogramms Maßnahmen zur langfristigen Sicherung der Sammlung durchgeführt: Verschmutzte Bereiche wurden manuell gereinigt, Risse geschlossen, das Papier entsäuert und die Druckwerke schließlich in geeignete Schutzverpackungen umgelagert. Öffentlich zugänglich in der Bibliothek des IKGS können die Zeitungen auch in Zukunft Einblicke in die
Geschichte Südosteuropas geben.

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