Kalenderblatt März: Akten des International Tracing Service

 

Porträtfoto aus den Akten des International Tracing Service (ITS) © Johanna Groß

Vier Kinder auf Landurlaub, für die Ewigkeit festgehalten: Was nach einem ganz normalen Sommerfoto aussieht, erzählt eine denkbar tragische Geschichte. Der kleinste der jungen Fußballspieler ist ein italienischer Jude, der von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Sein Schicksal lässt sich ebenso wie das von mehr als 100.000 minderjährigen NS-Opfern an den ›Akten von namentlich identifizierten Kindern‹ in den Arolsen Archives nachvollziehen.

Der Bestand, der seit 2013 Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes ist, geht auf den Kindersuchdienst des International Tracing Service (ITS) im hessischen Bad Arolsen zurück. Von 1947 bis 1950 recherchierte er unter der Verwaltung der International Refugee Organization (IRO) den Verbleib vermisst gemeldeter Kinder. Daneben bemühte sich der ITS, Überlebende mit ihren Familien zusammenzuführen. Die Bedeutsamkeit dieser Akten liegt auf der Hand, können an ihnen doch nicht nur Systematik und Folgen der NS-Vernichtungspolitik erforscht, sondern auch Einzelschicksale wie das des kleinen Fußballspielers erhellt werden. Die Arolsen Archives, wie der ITS seit 2019 heißt, erhalten auch heute noch Anfragen von Zeitzeugen und deren Nachfahren.

Dementsprechend deutlich waren die Gebrauchsspuren an den Akten des Kindersuchdiensts, die Fragebögen, Notizzettel und auch Fotografien enthalten. Da sie in der unmittelbaren Nachkriegszeit entstanden, wurden die schriftlichen Dokumente auf qualitativ minderwertigem Papier gedruckt. Im BKM-Sonderprogramm 2017 konnten sie entsäuert, restauriert und neu verpackt werden. Doch nicht nur die Akten des Kindersuchdiensts gilt es zu erhalten, schließlich lagern in den Arolsen Archives mehr als 30 Millionen Dokumente. In zwei Anschlussförderungen im BKM-Sonderprogramm wurden deshalb weitere Bestände behandelt. Dazu gehören die ›Care and Maintenance Files‹, kurz CM-1, die auf die Arbeit der IRO in Österreich ab 1947 zurückgehen. Hinzu kamen 700.000 Dokumente über die ›Registrierung von Ausländern und deutschen Verfolgten‹ in der US-Zone, aus denen sich Rückschlüsse auf das System der NS-Zwangsarbeit ziehen lassen.

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