Kalenderblatt Mai: Bibliothek des Gelehrten Melchior Goldast von Haiminsfeld

Dass die im BKM-Sonderprogramm 2017 durch die Staats- und Universitätsbibliothek Bremen behandelten Bände eine einzigartige Sammlung bilden, ist auf den ersten Blick zu erkennen. Bunte, individuell gestaltete Buchschnitte und detailverliebt verzierte Einbände zeugen von der Wertschätzung, die ein früherer Besitzer den Werken entgegenbrachte.

Dieser war ein humanistischer Gelehrter par excellence: der Jurist, Historiker und Universalgelehrte Melchior Goldast von Haiminsfeld (1576/1578–1635). Angesichts seiner Lebensumstände erstaunt die Prachtentfaltung seiner Bibliothek. Nachdem er 1597 zum Magister promoviert worden war, trat er eine Reihe oft kurzzeitiger und schlecht bezahlter Anstellungen an, etwa als juristischer Gutachter. Als Rechtshistoriker und Philologe verfasste er zwar einflussreiche Werke, seine finanzielle Lage blieb jedoch angespannt.

Auf Melchior Goldast von Haiminsfelds unterschiedlichen beruflichen Stationen immer dabei: seine umfangreiche und stetig wachsende Büchersammlung. Sobald er kurzfristig finanziell abgesichert war, ließ der Bibliomane eine neue Charge seiner Bücher einheitlich in Pergament mit seinen Initialen binden. Wiederkehrende finanzielle Probleme und die sich verschärfenden Konflikte des Dreißigjährigen Kriegs in den norddeutschen Gebieten veranlassten ihn 1624, seine Bibliothek nach Bremen auszulagern. Nach seinem Tod erwarb der Rat der Stadt diese Sammlung, die zum Gründungsbestand der ›Bibliotheca Bremensis‹ wurde.

Heute ist sie eine der wenigen geschlossenen humanistischen Privatsammlungen, die die Zeit überdauert haben, und damit von großem kulturhistorischem Wert. Besonderen Schutz erfuhr sie durch die Förderung im BKM-Sonderprogramm. Die Bände konnten gereinigt sowie licht- und staubsicher verpackt werden.

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