Die Torarolle der israelitischen Kultusgemeinde Amberg hat wahrlich schon einiges erlebt. 1792 wurde sie für die Synagoge in Sulzbach angefertigt und überlebte nicht nur den dortigen Stadtbrand von 1822, sondern konnte auch kurz vor der Reichspogromnacht am 9. November 1938 erfolgreich versteckt werden. Erst 2015 wurde sie durch den Rabbiner Elias Dray zufällig in der Synagoge in Amberg wiederentdeckt, wohin sie 1934 gelangt war – allerdings in einem äußerst schlechten Zustand. Die Pergamentrolle aus 30 Kuhhäuten mit einer Länge von 24 m und einem Gewicht von 9 kg war stark ausgetrocknet und spröde, die Tinte an vielen Stellen abgesprungen und verblasst.

Nun wird die Torarolle mit Hilfe der Projektförderung der KEK ein drittes Mal gerettet und soll in der Zukunft in Ausstellungen, Führungen für Schulklassen und den Gottesdiensten der jüdischen Gemeinde Amberg zum Einsatz kommen. Für die aufwändige Restaurierung der Rolle, die die kleine Gemeinde aus eigenen Mitteln nicht hätte bestreiten können, wurden zunächst das Pergament geglättet und Fehlstellen geschlossen. Im Anschluss mussten die verblassten und teilweise fehlenden Buchstaben einzeln mit einer speziellen Tinte nachgezogen werden – 304.805 Buchstaben an der Zahl! Nur wenn alle Buchstaben lesbar sind, gilt eine Tora als koscher und darf in der liturgischen Praxis eingesetzt werden, ansonsten wird sie beigesetzt. Da Torarollen ohnehin nur von speziell ausgebildeten Toraschreibern angefertigt werden dürfen und die Amberger Torarolle zusätzliche restauratorische Kenntnisse erfordert, wurde das Schriftstück nach Israel verbracht, wo es von Experten behandelt wurde. Inzwischen erstrahlt die heilige Schrift nach mehr als 225 Jahren endlich wieder in frischem Glanz und kann so noch viele weitere Jahre Zeugnis über das jüdische (Über-)Leben in Deutschland ablegen!

Fotos © Israelitische Kultusgemeinde Amberg

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