Bei einem Großbrand im Oktober 1961 wurden auf Burg Trausnitz in den Magazinen des dort untergebrachten Staatsarchivs Landshut mehr als 5.000 Bände vernichtet und rund 9.000 Archivalien beschädigt. Der überwiegende Teil der brandgeschädigten Archivalien ist bereits restauriert worden, für rund 120 stark brandgeschädigte Archivalien stand diese Arbeit bis 2011 aus, unter anderem weil komplexe Schadensbilder vorlagen und die finanziellen Mittel bislang fehlten.

Die ausgewählten Bände aus dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv und dem Staatsarchiv Landshut stammten ursprünglich aus dem Hochstift Regensburg, aus dem Kloster Regensburg-Obermünster, aus der Hofmark Ranfels (heute Landkreis Freyung-Grafenau), aus dem Landgericht ä.O. Wegscheid (heute Landkreis Passau) und aus der Hofmark Aham (heute Landkreis Landshut). Diese jeweils 120 bis 330 Blätter umfassenden Archivalien und Briefprotokolle enthielten teilweise rechtsgeschäftliche Entwürfe für Heiratsverträge, Testamente, Hofübergaben, Kreditvergaben, Verpfändungen, Konkursverfahren, Vormundschaften. Gerade weil sich solche Urkunden im Original bei den Empfängern selten erhalten haben, sind die systematisch geführten Briefprotokolle eine unersetzliche Quelle für das ländliche Rechts- und Wirtschaftsleben und die Hof-, Orts- und Familiengeschichte. Eine dichte Dokumentation der ländlichen Wirtschaftsstruktur bieten die Archivalien 236 aus dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv. Wie bei den Briefprotokollen lassen sich auch hier Personen aus der einfachen ländlichen Bevölkerung namentlich nachweisen, die sonst kaum Gegenstand obrigkeitlicher Erfassung gewesen wären. Die besonders lange Laufzeit des Bandes (1740–1800) unterstreicht die Lücke, die durch den Brandschaden für die historische Forschung gerissen wurde. Eine so frühe Überlieferung von Briefprotokollen wie im Fall der brandgeschädigten Archivalien 88, nämlich von 1570 bis 1585, ist sehr selten. Um einen typischen Briefprotokollband eines bayerischen Landgerichts aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (1861/62) handelt es sich bei den brandgeschädigten Briefprotokolle 889 aus dem Staatsarchiv Landshut – doch charakteristisch für diese Zeit ist leider auch die grundsätzlich schlechte Papierqualität. Das dünne, stark säurehaltige Papier wurde durch die Hitzeeinwirkung spröde und trocken. Bei dem Briefprotokoll 946 (Staatsarchiv Landshut) war der eigentliche Brandschaden zwar auch vergleichsweise gering, doch die Kombination mit einem massiven Feuchtigkeitsschaden machte das Hadernpapier brüchig, mürbe und instabil.

Im Rahmen des Modellprojektes zum Schwerpunkt des Aufrufes im Jahr 2011 „Feuer und Wasser“ wurden fünf Bände, denen eine besondere inhaltliche Bedeutung zukommt, mit typischen, aber partiell voneinander abweichenden Schadensbildern restauriert. Die massiv durch Brand, Hitze und Löschwasser geschädigten, aber vom Schriftspiegel her weitgehend intakten Amtsbücher wurden auf dem heutigen Stand der Restaurierungstechnik mittels stabilisierender und ergänzender Maßnahmen per Einzelblattbehandlung soweit instand gesetzt, dass künftig sowohl wieder eine Benutzung im Original als auch eine Verfilmung oder Digitalisierung möglich wurde.

 

 

Foto © Bayerisches Hauptstaatsarchiv

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