Im 19. Jahrhundert erreichte die Auswanderung im deutschsprachigen Raum einen Höhepunkt. Im Zeitraum von 1850 bis Anfang des 20. Jahrhunderts wanderten aus Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz mehr als 200.000 Menschen aus. Allein im Jahr 1858 verließen 2666 Menschen Mecklenburg, darunter 1829 Tagelöhner, Knechte und Dienstboten. Mütter und Väter, Brüder und Schwestern, die in der alten Heimat zurückblieben, mögen die familiären Einschnitte noch stärker empfunden haben, als jene, die in die neue Welt aufbrachen. Aber auch sie kehrten zumindest in Gedanken zurück in die alte Welt.

Carl Wiedow (1847–1913) aus Glaisin war einer, der auszog um sein Glück zu suchen. Er emigrierte und kehrte „per Post“ zurück. Als alter Mann schrieb Carl Wiedow zahlreiche Briefe an seinen Lehrer Gillhoff in Mecklenburg. Darin berichtete er von der Überfahrt nach Amerika, von der harten Arbeit auf der Farm und von seiner Hochzeit. Carl Wiedows Fahrt ins Ungewisse, seine Erzählungen vom einfachen Leben, die per Brief im Schulhaus eintrafen, dienten dem Sohn von Lehrer Gillhoff, Johannes Gillhoff, als Romanvorlage. Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer heißt Johannes Gillhofs Werk, dessen Protagonist Carl Wiedows Leben führt.

Neben den Briefen dokumentieren Auswanderungsakten die logistische Seite der Emigration. Im Bestand des Stadtarchivs Grabow befinden sich die Auswanderungsakten der Jahre 1837–1897 sowie die Dokumente des Agenten Dincklage aus Grabow (1855–1897), der damals die Überfahrt der Auswanderer organisierte: In seinem Register finden sich die Aufnahmescheine mit persönlichen Daten, die für die Überfahrt mit den Schifffahrtsgesellschaften nach Amerika notwendig waren. Häufige Nutzung und schlechte Lagerungsbedingungen erforderten die Restaurierung der Papiere, die heute von Genealogen und insbesondere von Nachfahren der Amerikafahrer sehr gefragt sind.

Foto © Stadtarchiv Grabow

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