Die in diesem Projekt umgebetteten Akten des Landesarchivs Berlin stellen die einmalige Überlieferung und Dokumentation von Rechtsvergehen in der DDR beziehungsweise in der Zeit des staatlichen und wirtschaftlichen Umbruchs im Zuge der deutschen Wiedervereinigung dar. Aufgrund der vorliegenden Schadensbilder des Bestands müsste er prinzipiell in Gänze restauriert werden. Im folgenden Projekt lag der Fokus jedoch zunächst auf den insgesamt 36 Verfahren bei der Staatsanwaltschaft gegen Alexander Schalck-Golodkowski (1932–2015), den „Hauptdevisenbeschaffer“ der DDR. Schalck-Golodkowski (SED) war DDR-Funktionär, der Verhandlungen mit der Bundesrepublik insbesondere in den Bereichen Wirtschaft und Finanzen führte. Außerdem umfasst der Bestand polizeiliche Ermittlungen der Zentralen Ermittlungsstelle zur Regierungs- und Vereinigungskriminalität (ZERV) zur Aufdeckung von Straftaten im Zusammenhang mit dem staatlich gelenkten Doping der DDR. Die Quellen zu diesem Fall umfassen 206 laufende Regalmeter an Karteikarten und Aktenbänden. Dieser Bestand ist von einzigartiger Bedeutung – er dokumentiert die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung nach der deutschen Wiedervereinigung durch Ermittlungen zur Regierungs- und Vereinigungskriminalität.

Die hauptsächlichen Schäden am Bestand entstanden durch die fortgesetzte Nutzung der Akten. Auch das Material selbst bereitete konservatorische Probleme. So mussten die Unterlagen entmetallisiert und umgelagert werden. Im Fall von verblassenden Thermokopien wurden Schutzkopien erstellt. Auch weitere Maßnahmen zur Konservierung sowie zur fach- und sachgerechten Lagerung des Bestands wurden durchgeführt. Im Sinne der Nutzerfreundlichkeit wurden in einem letzten Schritt alle Signaturen der Sammlung vereinheitlicht.

Das Landesarchiv Berlin und somit die Fachaufsicht der Senatsverwaltung für Kunst und Kultur des Landes Berlin, hat die Restaurierung der Materialien zu Recht als dringlich eingeschätzt: Denn bereits vor der Einleitung bestandserhaltender Maßnahmen waren Nutzeranfragen zu diesem Bestand besonders häufig. Nachdem die Quellen im Rahmen des BKM-Sonderprogramms wieder nutzbar gemacht wurden, steht der weiteren Erforschung beispielsweise innerhalb der Disziplinen Sport-, Justiz- oder Wirtschaftsgeschichte nichts mehr im Weg. Folgemaßnahmen wie eine Digitalisierung der Akten sind ebenfalls vorgesehen.

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