Fast 100 Jahre deutsche Geschichte belegen die Akten der „Politischen Polizei“, die im Hamburger Staatsarchiv lagern. Der Geheimdienstbestand aus den Jahren 1849 bis 1933 dokumentiert die gesellschaftlichen Entwicklungen während des Kaiserreichs, des Ersten Weltkriegs und der Weimarer Republik in vielfältigen Materialien wie Anzeigen, Ermittlungsvorgängen, privaten Briefen, Satzungen, Plakaten, Flugblättern oder Presseerzeugnissen.

Die Akten, die ungefähr 360 laufende Regalmeter einnehmen, enthalten unter anderem Informationen zu Personen, Organisationen, Vereinen, Verbänden und Genossenschaften, die polizeilich überwacht wurden. Sie bilden damit einen Schlüsselbestand für gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und biografische Fragestellungen und sind ein wichtiger Ausgangspunkt für genealogische Recherchen. Zugleich spiegeln sie Prozesse gesellschaftlichen Wandels wider, beispielsweise die Arbeiter-, Frauen- und Homosexuellenbewegungen oder den politischen Widerstand seitens sozialistischer und anarchistischer Gruppierungen. Damit stellt der Bestand eine wichtige und unverzichtbare Quelle für eine „Geschichte von unten“ dar und gibt wichtige Einblicke in historisch nur prekär dokumentierte Bereiche wie die Mentalitäts-, Alltags- und Freizeitgeschichte, die in der Forschung zunehmend Beachtung finden. Die überregionale Bedeutung der Dokumente wird noch durch Hamburgs internationale Vernetzung aufgrund seines Hafens verstärkt. So wurden etwa zu Kriegszeiten alle in Hamburg befindlichen Personen aus „feindlichen Staaten“ in Listen verzeichnet.

Leider befindet sich gut ein Drittel des Aktenbestands in einem äußerst kritischen Zustand. Viele der zumeist Loseblattsammlungen sind schon derart stark von Säurefraß befallen, dass eine Entsäuerung nicht mehr sinnvoll erscheint. Um die wertvollen Dokumente aber vor weiteren mechanischen Schäden zu bewahren und zu stabilisieren, waren Schutzverpackungen dringend erforderlich. Mit Hilfe des BKM-Sonderprogramms konnten etwa 2.500 Einheiten, und damit ungefähr 80 laufende Regalmeter, gereinigt und anschließend in archivgerechte Mappen und Kartons verpackt werden, die den papierenen Zeugen staatlicher Überwachung in Zukunft Schutz bieten.

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