Im Zuge des Zweiten Weltkriegs wurde wertvolles historisches Schriftgut zerstört – so auch Archivgut aus vorangegangenen Jahrhunderten. Im bayerischen Memmingen ist jedoch ein fast intakter Bestand an zirka 66 laufenden Regalmetern Archivgut von personenbezogenen historischen Materialien erhalten. Zu dem Bestand zählen unter anderem Personen- und Familienbögen aus einem Zeitraum von über 100 Jahren (1819–1926), Einwohnerverzeichnisse, Meldekarteien der Stadt Memmingen, polizeiliche Registrierungen der ersten vier Nachkriegsjahre (inklusive Anträge auf deutsche Kennkarten) sowie ein Wählerverzeichnis bis 1918. Eine weitere Besonderheit dieser Sammlung besteht darin, dass sie gleichermaßen Bedeutung für Forschung und Verwaltung besitzt.

Allerdings war dieser einzigartige Bestand aufgrund von erhöhter Nutzung und Säurefraß stark bedroht. Im Rahmen des BKM-Sonderprogramms konnte er durch eine Massenentsäuerung längerfristig stabilisiert werden. Im Anschluss an die Neutralisierung des historischen Papiers wurden die Akten weitestgehend digitalisiert, sodass eine tägliche Nutzung von nun an gewährleistet werden kann, ohne dass die Originale darunter leiden.

Für die Sozial- und Kulturgeschichte, aber auch für diverse verwandte Disziplinen wie die Sozialwissenschaften, sind diese Unterlagen von herausragender Bedeutung. Auch private Forscher profitieren im Rahmen der Personenforschung enorm von den umfassenden unikalen Beständen. Die Entsäuerung, sowie die dadurch möglich gemachte Digitalisierung und Einbindung der Digitalisate in die archivarische Erschließung, ist eine besondere Errungenschaft für die Forschung. Denn es sind gerade die personenbezogenen Zeugnisse aus der Vergangenheit, die die Gesellschaftsgeschichte so lebendig machen. Politische Ereignisse lassen sich letztendlich nicht ohne die ihr zugrundeliegende demographische Entwicklung verstehen, wobei Zeugnisse aus Personenregistern eine erhebliche Rolle spielen.

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