„Ich gebe hier der Jugend eine neue Erfindung von Land=Karten in die Hände, welche ihnen die Kenntniß unseres Erdbodens nicht nur angenehm machen, sondern auch erleichtern solle.“ Mit diesen Worten führt Jakob Friedrich Klemm in sein Werk „Neue Atlas für die Jugend“ ein, hierzu zählen ein Textband und ein hölzerner Spielsteinkasten in Buchform, der mit 21 Schubladen Platz bietet für 21 handkolorierte Länderpuzzles. Bevor das Spiel beginnt, müssen die Landkarten „auf weißes Papier geklebt, und dieses von dem Kinde mit den Nahmen, die der Karte fehlen, und den Merkwürdigkeiten des Landes beschrieben“ werden. So spielt die Jugend, bevor oder nachdem sie liest oder vorgelesen bekommt und so lernt sie die Welt begreifen. Jakob Friedrich Klemm, Superintendent in Nürtingen im Herzogtum Württemberg, war von seiner Medienkombination überzeugt, weil Lernen spielend leicht im Spiel gelingt.

 

Seit rund zwei Jahrhunderten wird das hölzerne Buchkommödchen bespielt und mit den Jahren verzieht sich das Holz und die alten Messingknöpfe fallen ab. Im Zeitalter der Aufklärung verordnet Jakob Friedrich Klemm dem Menschen Geographiekenntnisse: „Man ist in unseren Tagen ganz davon überzeugt, daß die Erdbeschreibung keinen geringen Theil der nöthigen Kenntniße eines vernünftigen Menschen ausmacht.“ Der Satz beweist heute wieder seine Gültigkeit und aus diesem Grund allein ist die Benutzung des „Neuen Atlas für die Jugend“ zu erhalten. Im KEK-Modellprojekt wurde der Einband des Textbands und der Spielsteinkasten restauriert. Darüber hinaus ist das Zusammenspiel von klassischem Bibliotheksgut und Museumsobjekt ein glänzendes Beispiel für die Unterrichtsdidaktik des 18. Jahrhunderts. „Und diß wäre nun die [Fortsetzung der] Geschichte dieser neuen Art von Land=Karten für Kinder.“

Zur Präsentation der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart

Fotos © Württembergische Landesbibliothek Stuttgart / Sonja Brandt

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