Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit stellten Pergament und später Papier knappe und dementsprechend teure Ressourcen dar. Und wie bei allem, was teuer ist, versuchte man sparsam mit diesen Materialien umzugehen. Wurde ein geschriebener Text nicht mehr benötigt, weil er etwa veraltet war oder die vertretende Meinung als wenig opportun angesehen wurde, wurden die Pergament- oder Papierblätter anderweitig wiederverwendet. In vielen Fällen endeten sie als Einbandmakulatur in anderen Büchern und überdauerten so die Jahrhunderte.

Für die Forschung stellen diese Fragmente oft einen Glückfall dar, sind doch hier Texte zu finden, die andernorts komplett zerstört wurden. Altbestände in kirchlichem Besitz lassen zwar aufgrund der Natur ihrer Sammlungen auch hier großes Potenzial erwarten, allerdings fehlt es in diesen – oft sehr kleinen – Einrichtungen vielfach an Fachwissen im Umgang mit Fragmenten mittelalterlicher Handschriften und frühneuzeitlicher Drucke. Dieser Missstand wurde in einem kooperativen KEK-Modellprojekt zur Förderung der Fachkompetenz adressiert, das von der interkonfessionellen Altbestandkommission der kirchlichen Bibliotheksverbände, dem Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe an der Universität Paderborn und dem Institut Bibliotheca Fuldensis an der Theologischen Fakultät Fulda durchgeführt wurde.

Ziel des Projekts war es, Kompetenzen aufzubauen, um die erhaltenen Fragmente in kirchlichen Einrichtungen dokumentieren und sie in einem nächsten Schritt verzeichnen zu können. Ein Workshop mit Tagung vermittelte den Teilnehmern Fachwissen im Umgang mit Fragmenten und Einbandmakulaturen. So wurden etwa die zeitliche Einordnung und Verzeichnung von Fragmenten geübt. Ein besonderer Fokus lag auf Maßnahmen zum Originalerhalt von Fragmenten und Einbandmakulaturen – sofern möglich im Zusammenhang mit dem entsprechenden Buchblock. In der Vergangenheit wurden Einband und Buchblock oft ohne ausreichende Dokumentation voneinander getrennt. So gingen wichtige Informationen zur Provenienz der Fragmente verloren.

Die Publikation eines Tagungsberichts und eine Wanderausstellung bezog die Öffentlichkeit in die Auseinandersetzung mit diesen spannenden historischen Artefakten ein und stärkte das öffentliche Bewusstsein dafür, was für vergessene Kostbarkeiten sich in alten Buchdeckeln verbergen können.

 

Fotos © Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Fulda

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