Grundlagenforschung zeigt Wirkung: In den Jahren 2016-2017 wurde im Rahmen eines KEK-Modellprojekts der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, der Universitätsbibliothek Leipzig und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig ein Lagerungskonzept für Papyri entwickelt, das inzwischen Schule gemacht hat. Im Mittelpunkt stand dabei das Problem, dass die bisherige Lagerungssituation vieler Papyri eine Verglasung zwischen zwei Platten aus Fensterglas ist, was in vielen Fällen zu einem weißlichen Niederschlag aus Natriumchlorid rund um die Schriftträger geführt hat. Dieser entstand jedoch, wie gezeigt werden konnte, nicht durch den Papyrus, sondern durch eine chemische Reaktion der Glasplatten. Abhilfe schafft daher eine Neuverglasung mit Borosilikatglas. Die Verglasung von Papyri ist und bleibt dabei die konservatorisch sinnvollste Lösung. Der Beschreibstoff ist äußerst fragil und wird durch die Glasplatten vor direkter Berührung geschützt. Gleichzeitig können die Stücke von beiden Seiten studiert werden.

Die Universitätsbibliothek Leipzig handelt jetzt mit Hilfe der KEK-Förderung entsprechend: Von den 3.200 verglasten Papyri der Sammlung wurden zunächst die 2.100 am stärksten betroffenen Stücke behandelt. Dabei wurden die neuen Borosilikatglasplatten einzeln nach den Maßen der Objekte zugeschnitten, geschliffen und nach Einbringen der Papyri mit Textilband aneinander befestigt. Dabei war es allerdings wichtig, dass die Ecken nicht mit eingefasst wurden, damit die Luft zwischen den Platten zirkulieren kann und sich keine Feuchtigkeit sammeln kann.

Dieses modellhafte Vorgehen nach den neusten Erkenntnissen der Forschung wird hoffentlich nicht nur dazu beitragen die Leipziger Papyri zu bewahren, sondern auch in anderen Sammlungen Anwendung finden.

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