Schriftliche Geschichtszeugen für eine einst florierende deutsch-jüdische Vergangenheit enthält die Gelehrtenbibliothek des Amsterdamer Rabbiners Yehuda Aschkenasy (1924 – 2011) in der Universitätsbibliothek Potsdam. Herzstück dieser Sammlung bilden Bände aus der einstigen Berliner »Veitel Heine Ephraimsche Lehranstalt« für Talmud und jüdische Wissenschaft. Diese wurde 1783 vom Hofjuwelier Friedrichs des Großen Veitel Heine Ephraim (1703 – 1775) als posthume Stiftung gegründet. Die einst 350 oft mehrbändigen Titel des 18. und 19. Jahrhunderts mit zahlreichen Erstausgaben gingen im Zweiten Weltkrieg verloren. Teile der Sammlung tauchten jedoch in Amsterdamer Antiquariaten auf, wo sie der Rabbiner Aschkenasy ausfindig machte und 83 Bände erwerben konnte.

Bestandteil der Gelehrtenbibliothek sind auch 58 hebräische Handschriften aus dem Jemen, der bis zur Vertreibung der jüdischen Bevölkerung infolge der Staatsgründung Israels 1948 eines der Zentren des Judentums bildete. Die Manuskripte überliefern unter anderem Bibelkommentare, Rechtstexte (Halacha), Bußgebete (Selichot) und religiöse Poesien (Pijjutim) in regional geprägten, unikalen Varianten. Besonders faszinierend sind die fremden Bindetechniken der Handschriften des 18. und 19. Jahrhunderts, die einen schlechten Erhaltungszustand aufwiesen. Weder wissenschaftliche Untersuchungen noch ihre bibliothekarische Erschließung waren möglich. Bevor einzelne Handschriften exemplarisch von Rissen befreit und stabilisiert wurden, analysierten die Experten akribisch die Materialien und Bindetechniken. In dem 2015 von der KEK geförderten Modellprojekt konnten so wichtige Erkenntnisse für die Erhaltung dieser jüdisch-jemenitischen Schriften gewonnen werden. Die Ergebnisse der technologischen Untersuchung sowie der Inhalt der digitalisierten Manuskripte werden von nun an der internationalen Forschung, den Historikern der arabischen Staaten und den Juden aus dem Maschriq und Maghreb zur Verfügung stehen.

Foto © Universitätsbibliothek Potsdam

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