Die an die Universität Erfurt angegliederte Forschungsbibliothek Gotha ist eine Bibliothek mit umfangreichen und wertvollen historischen Beständen zur Frühen Neuzeit. Etwa 800 reformationsgeschichtliche und mehr als 3.500 orientalische Handschriftenbände bilden den Kernbestand und zählen so zu den internationalen Spitzensammlungen.

Die reformationsgeschichtlichen Handschriften sind hauptsächlich im 16. und 17. Jahrhundert entstanden; sie enthalten Autographen, Nachlässe und Manuskripte deutscher und zentraleuropäischer Reformatoren  und wurden vor allem zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch die Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg erworben. Unter den Schriften zur Kulturgeschichte des Protestantismus in der Frühen Neuzeit befindet sich auch der Briefwechsel des evangelischen Theologen, Kirchenliederdichters und Reformators Paul Eber (1511-1569). Rund 200 Briefe, meist lateinische Entwürfe von Eber – darunter Ordinationszeugnisse, Abhandlungen, Epigramme und akademische Reden – wurden nach ihrem Eingang in die Bibliothek in Buchform gebunden. Vor allem auf eine starke Nutzung im Laufe der Jahre und die Art der Aufbewahrung zurückzuführende Risse, Fehlstellen und Knicke, aber auch durch Spuren von Insektenfraß verursachte Schäden, schlossen eine weitere Nutzung der Originale aus. Da Paul Eber mit Philipp Melanchton (1497-1560) in Wittenberg wirkte und nach dessen Tod die wichtigste Gestalt der evangelischen Kirche im Zentrum der Reformation wurde, galt es, seinen Briefwechsel aus der Zeit von etwa 1530 bis1569 für die Forschung zu sichern.

Zu den im Rahmen des Modellprojekts geförderten Maßnahmen gehörten das Lösen der Briefe aus der Heftung und dem Bucheinband, das Reinigen des Papiers und das Sichern der Risse und Fehlstellen.

Auch zahlreiche Manuskripte aus der Sammlung orientalischer Handschriften, die zu den bedeutendsten ihrer Art in Deutschland gehören, befanden sich in einem schlechten Erhaltungszustand. Die erste Handschrift, die einer Restaurierung unterzogen wurde, ist eine Sammlung von Biografien aus frühislamischer Zeit, die bereits aus dem 11. Jahrhundert unserer Zeit stammen. Bereits vor seinem Erwerb durch den im Auftrag der Gothaer Herzöge im Vorderen Orient tätigen Gelehrten zu Beginn des 19. Jahrhunderts muss der gesamte Band extrem geschädigt gewesen sein, da dort Reparaturen und Bindemaßnahmen in großem Umfang ausgeführt wurden. Ohne eine Restaurierung hätte die Handschrift nicht mehr genutzt werden können. Die Maßnahmen zur modellhaften Restaurierung umfassten das Sichern der Kupferfraßschäden, das Schließen der Risse und Fehlstellen und die Verbesserung der schlechten Öffnungseigenschaften des Buchblocks.

Die zweite orientalische Handschrift der Forschungsbibliothek Gotha, die einer Restaurierung unterzogen wurde, dürfte eines der ältesten Exemplare seiner Art sein. Die Schrift ist eine beeindruckende Geschichte von der Schöpfung bis zum jüngsten Gericht aus dem 13./14. Jahrhundert unserer Zeit. Eingefasst in einen Halbledereinband mit Klappe wiesen auch diese Blätter deutlich Spuren der Zeit und erhebliche Schäden auf. Durch die von der KEK geförderten Maßnahmen gelang es, den Tintenfraß zu behandeln, Seiten zu stabilisieren und das historische Werk so nachhaltig für die Zukunft zu sichern.

© Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha
Foto © Barbara Hassel

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