Das Archivberatungs- und Fortbildungszentrum (AFZ) des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) in Pulheim engagiert sich seit vielen Jahren wahrnehmbar im Bereich Notfallvorsorge. Der Verband legt dabei sein Hauptaugenmerk auf die nichtstaatlichen Archive seiner Region: Denn gerade die kleineren Archive der Kommunen, Kirchen, Wirtschaft und des Adels stoßen schnell an ihre Grenzen, wenn bei Havarien sofortiges und koordiniertes Handeln gefragt ist. Um vor allem die rheinischen Kommunalarchive systematisch auf Feuer, Wasser und akute Katastrophen bestmöglich vorzubereiten, stattete das AFZ diese mit Notfallboxen auf Leihbasis aus. Diese »Erste-Hilfe-Koffer«, die 2010 sowie 2011 auch mit Fördermitteln der KEK vom AFZ angeschafft werden konnten, halten im Gefahrenfall alle nötigen Materialien zur Bergung und Erstversorgung des Schriftguts griffbereit. Fast wichtiger noch: Diese Notfallvorsorgemaßnahmen bieten infrastrukturelle Anreize für Schulterschlüsse im Katastrophenschutz.

Ein Notfallverbund vereint Kräfte und spart Ressourcen gemäß dem Motto: Alle für alle. Von Aachen bis Zons – um die im Rheinland verstreuten Einrichtungen effektiv für das Unvorhersehbare zu wappnen, verpflichteten sich die vom AFZ mit Boxen ausgestatteten Kommunalarchive in den Leihverträgen, Notfallverbünde für ihre Stadt oder Region zu initiieren. Ein Konzept, das Früchte trägt: 2013 konnten in Leverkusen, 2015 in Duisburg sowie Essen Netzwerke für Notfälle eingerichtet werden. Und Initiativen in Rhein-Sieg-Kreis, Kleve oder Bergisch-Gladbach harren nur noch der vertraglichen Fixierung. Verbünde bieten Schutz, indem sich die Institutionen in Katastrophenfällen gegenseitig bei der Bergung und Sicherung des Schriftguts zu Hilfe kommen, Ausweichmagazine bereitstellen sowie technisches und fachliches Wissen teilen.

Noch sind Deutschlands Archive und Bibliotheken nicht flächendeckend mit Notfallboxen ausgestattet. Auch das Netz von Notfallverbünden überzieht nicht die ganze Archiv- und Bibliothekslandschaft. Die Bilder der Flutkatastrophen des Sommers 2016 mahnen aktuell erneut dazu, umsichtig weiter in die Vorsorge zu investieren.

Foto © LWL-Archivamt für Westfalen

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