Der digital turn macht auch vor dem Hörsaal nicht halt: In den Naturwissenschaften haben digitale Medien die lange Zeit üblichen großformatigen Lehrtafeln abgelöst. Diese Tafeln erklärten je nach Studienfach etwa den Aufbau von Organismen und Stoffen oder bildeten Naturphänomene ab. Mancherorts sind sie inzwischen entsorgt worden oder werden nicht mehr konservatorisch gepflegt. Die Martin-Luther-Universität zu Halle-Wittenberg ist einen anderen Weg gegangen: Sie hat den enormen kulturhistorischen wie didaktischen Wert der Lehrtafeln erkannt und ihre Einzelbestände zu einer deutschlandweit einzigartigen Sammlung von knapp 2.000 Exemplaren zusammengeführt. Ein großer Teil sind handgezeichnete Unikate aus den Jahren 1875 bis 1970. Viele sind restaurierungsbedürftig, so insbesondere Tafeln aus der DDR-Zeit mit minderwertiger Papierbasis. Durch Förderung der KEK konnten 2013 126 stark geschädigte Lehrtafeln komplett aufgearbeitet werden. Überdies wurde der Gesamtbestand digitalisiert und soll künftig in einer Datenbank frei zugänglich sein. Die naturwissenschaftliche Lehrtafel als Forschungs- und Lehrobjekt steht auch im Mittelpunkt eines neuen Forschungsverbundes zwischen den Universitäten von Halle, Jena und Würzburg. Übergreifendes Ziel des Modellprojektes ist es, die Lehrtafel durch Änderung des Kontextes an die Universität zurückzubringen. Studierende sollen dazu angeregt werden, Lehrtafeln über ihre eigene Disziplin hinweg und im Austausch zwischen Museologie, Didaktik, Design, Kunst-, Kultur- und Naturwissenschaften in allen Facetten zu erforschen.

Foto © M. Scholz / F. Sattler

Diesen Beitrag teilen auf:



Anregungen und Kommentare

Feedback