Das im Jahr 1414 angelegte Bürgerbuch ist eines der ältesten und wichtigsten Dokumente für die Dorstener Stadtgeschichte. Der mittelalterliche Papierband verzeichnet Einnahmen der alten vestischen Stadt – des averlippischen Zehnten – und die Einträge der Neubürger Dorstens von 1600–1798. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bürgerbuch während des Luftangriffs auf die südlich der Lippe gelegene Stadt im März 1945 schwer beschädigt: Das Gebäude, ein ehemaliges Polizeigefängnis, wurde von Bomben getroffen, durch das Dach und die zerborstenen Fenster drang der Regen ein. Die feuchten Lagerungsbedingungen führten zu starken Schäden und Verlusten am Schriftgut. Als auseinandergerissenes, mit Schimmelpilzen durchwachsenes und verklebtes Papierbündel lagerte der nach den Kriegswirren geborgene Band bis 2011 in einem Karton. Die verblockte Handschrift war von Mäusen angefressen und zuweilen von Insekten bewohnt worden. Aufgrund der starken Beschädigungen konnte das Bürgerbuch bisher nicht historisch ausgewertet und aufgearbeitet werden.

Die Restaurierung gestaltete sich schwieriger und aufwändiger als angenommen. In mühevoller Kleinstarbeit trennten Restauratoren die einzelnen Seiten voneinander, doch nebenbei förderten diese Arbeiten Pergamentblätter zutage. Recherchen ergaben, dass  es sich um Fragmente aus einem weiteren bedeutenden Stadtbuch, dem 1432 angelegten Liber statutorum handelt, das die Statuten der Stadt Dorsten verzeichnet. Für die Restaurierung des Liber statutorum konnten Sponsoren in Dorsten gewonnen werden. Die gemeinsame Anstrengung von LWL-Archivamt, Stadtarchiv Dorsten, dem Verein für Orts- und Heimatkunde und Sponsoren sowie die von Bund und Ländern bereitgestellten Mittel ermöglichten schließlich den Erhalt von zwei zentralen Dokumenten des mittelalterlichen Dorsten.

Foto © LWL-Archivamt für Westfalen

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