Archive sammeln nicht nur Verwaltungsakten und Stadthistorisches, sondern auch regionale Zeitungen, die seismographisch jedes lokale Ereignis aufzeichnen und daher wertvolle Quellen für Ortschronisten und Alltagshistoriker darstellen. Gerade diese »Sekundenzeiger der Geschichte« sind vom Papierzerfall durch Säurefraß bedroht, da ihre Papiere besonders dünn und säurehaltig sind.

Die Sicherung von Zeitungen im Original konnte über die KEK-Modellprojektförderung zum Beispiel im Südwesten von Deutschland vorgenommen werden: Die Provinzialzeitung der Filderebene bei Stuttgart war bis 1941 der Filder-Bote, dessen tägliche Nachrichten das Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen hütet. Die Ausgaben der Jahre 1908 bis 1919, die für die Forschung zum Ersten Weltkrieg hohen Quellenwert besitzen und u.a. Gefallenenlisten beinhalten, waren bereits so brüchig und verbräunt, dass sogar eine Verfilmung ohne konservatorische Soforthilfe nicht mehr möglich war. In einem Modellprojekt konnten diese Jahrgänge 2010 entsäuert, mit einer alkalischen Reserve gepuffert und neu gebunden werden. Sie können nun weiterhin der örtlichen Geschichtsschreibung auch als Ersatzüberlieferung zum Beispiel für die im Zweiten Weltkrieg vernichteten Ratsprotokolle der Gemeinde Leinfelden dienen.

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