Rund 100 Jahre (nordwest-)deutscher Geschichte decken die vier Regionalzeitungen ab, die von der Landesbibliothek Oldenburg massenentsäuert wurden. Alle vier Zeitungen zeichnen sich durch ihre sehr lange Erscheinungsdauer aus und sind – wenn überhaupt – nur lückenhaft parallel überliefert. Das in Wilhelmshaven erschienene Norddeutsche Volksblatt (1887-1918) und sein Nachfolger Die Republik (1918-1932), Der Ammerländer (1861-1940) mit Erscheinungsort Westerstede, Der Gemeinnützige aus Varel (1838-1940) sowie das Delmenhorster Kreisblatt (1847-1940) bezeugen nicht nur die nordwestdeutsche Regionalgeschichte ihrer Zeit, sondern bilden wichtige historische Ereignisse von überregionaler Bedeutung ab: den Ersten Weltkrieg, die Revolution von 1918 und den Aufstieg des Nationalsozialismus.

Sie liefern ein sehr vielfältiges Bild über die verschiedenen politischen Ausrichtungen der Zeit – vom rechtsgerichteten Delmenhorster Kreisblatt bis zur sozialdemokratisch orientierten Zeitung Norddeutsches Volksblatt/Die Republik, die bereits 1932 von der nationalsozialistischen Regierung des Landes Oldenburg verboten wurde. Auch das Gefälle zwischen Stadt und Land spiegelt sich durch die unterschiedlichen Erscheinungsorte und Verbreitungsgebiete wider. So ist die Berichterstattung des ländlichen und lokal orientierten Ammerländers eine andere als die von Zeitungen aus Industrie- und Hafenstädten wie Wilhelmshaven und Delmenhorst, in der Arbeiterschaft und Militärangehörige dominieren. Gerade die Arbeiterpresse der Stadt Wilhelmshaven mit ihrem 1869 eingeweihten preußischen Kriegshafen ist von überregionalem Forschungsinteresse, lassen sich durch sie doch militärisches Wachstum, Kriegshandlungen und Krisenperioden auch auf nationaler Ebene gut nachvollziehen.

Die über 500 Zeitungsbände aus dem Bestand der Landesbibliothek konnten dank der Mittel aus dem BKM-Sonderprogramm endlich von Säure befreit werden – das sind etwa 1,8 Tonnen Papier! 125 der Bände wurden außerdem in Schutzbehältnisse verbracht, da ihre Einbände schadhaft oder unzureichend waren. Sie lagern nun in speziellen Zeitungsregalen und unter geeigneten klimatischen Bedingungen. Um die fragilen und unikal überlieferten Zeitungen weitergehend zu schonen und auf Sekundärformen zu sichern, sollen sie zukünftig digital vervielfältigt werden.

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