Die Stadtgeschichte von Frankfurt an der Oder ist wechselhaft. Die Stadt besaß als mittelalterliche Handelsstadt und führende Universitätsstadt bis ins 16. Jahrhundert eine herausragende Bedeutung. Von dieser Bedeutung zeugen noch heute 801 Urkunden im Stadtarchiv, deren älteste aus dem 13. Jahrhundert stammen. Im Rahmen des BKM-Sonderprogramms wurden 380 dieser Urkunden systematisch auf Schäden untersucht, archivgerecht montiert und schutzverpackt.

Die so geretteten Urkunden des Stadtarchivs Frankfurt (Oder) sind einmalige Zeitzeugen für die vielseitige und reiche Geschichte der Stadt. Die Dokumente umfassen einen Zeitraum von 1267 bis 1949 – verschiedene Epochen, in denen die Stadt ihr Gesicht teilweise grundlegend verändert hat: ehemals kultureller Mittelpunkt der Mark, erste preußische Hansestadt und seit Ende des Zweiten Weltkriegs Grenzstadt, deren ehemalige Gebiete östlich der Oder nun polnisches Staatsgebiet sind. Im Jahr 1949, dem Jahr aus dem die jüngste Urkunde des Bestands stammt, wurde Frankfurt (Oder) Teil der ehemaligen DDR. Die unikalen Urkunden sind essentielle Zeugen der Brandenburgischen Geschichte, jedoch ist ihre Bedeutung für die Forschung auch überregional, da Frankfurt (Oder) als Grenzstadt beispielsweise eine sehr wichtige Rolle für die deutsch-polnische Forschung spielt.

Die Urkunden bestehen zu einem großen Teil aus Pergament, das sehr empfindlich auf Klimaschwankungen in Magazinräumen reagiert. Anhängende Wachssiegel reagieren dagegen empfindlich auf mechanische Belastungen, etwa beim Ausheben, Benutzen und Reponieren. Hier sind passende Schutzverpackungen eine gute Möglichkeit diese Belastungen gering zu halten. Auch im Stadtarchiv Frankfurt (Oder) war die Lagerungssituation von den Archivaren als kritisch bewertet worden: Urkunden unterschiedlicher Formate und Materialien wurden auf zu engem Raum gelagert, wodurch kein notweniger Schutz der Originale garantiert werden konnte. Die Urkundensiegel wurden meistens völlig ohne Schutzverpackung aufbewahrt und empfindliche Blätter befanden sich in Mappen aus säurehaltigem und nicht-stoßfestem Papier. Die Siegel waren teilweise zerbrochen und das Papier stark brüchig. Die vorliegenden Schadensbilder waren allerdings uneinheitlich, eine restauratorische Einschätzung daher dringend nötig. Durch die Förderung im BKM-Sonderprogramm war es möglich die vorliegenden Schäden an den Urkunden zu ermitteln und ein neues Lagerungs- und Verpackungssystem zu erarbeiten. Dieses neue Lagerungssystem wird von den verschiedenen Größenformaten der Dokumente vorgegeben. Jede Urkunde besitzt jetzt eine individuelle Verpackung. Ebenfalls im Sinne der Benutzerfreundlichkeit wurden neue Signaturen vergeben. Dank der restauratorischen und konservatorischen Maßnahmen können die Urkunden nun längerfristig für die Nutzung im Lesesaal und für Ausstellungen bereitgestellt werden.

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