Das Wismarer Tribunal wurde im Zuge des Westfälischen Friedens als oberstes Gericht der schwedischen Reichslehen gegründet und trat für verschiedene Herzogtümer (Bremen, Verden und Vorpommern) sowie für das Hamburger Domkapitel und die Herrschaft Wismar an die Stelle der obersten Gerichtsbarkeit. Justizhistorisch betrachtet sind diese Prozesse als Vorreiter europäischer Gerichtsinstanzen zu betrachten und haben daher einen besonders großen Wert für die Forschung. Es handelt sich konkret um über 4.000 Prozessakten aus einem Zeitraum von 1653 bis 1782. Diese Akten sind einzigartige Zeugnisse der höchsten Gerichtbarkeit des „Alten Reichs“.

Die in den Tribunalakten festgehaltenen Prozesse haben internationale Bedeutung: Historiker verschiedener Disziplinen aus Nachbarstaaten, wie Schweden, Dänemark und Finnland forschen zu den Archivalien. Doch nicht nur für die skandinavische Forschung sind diese Unterlagen interessant. Auch Forscher aus Deutschland, Estland, Lettland und weiteren Staaten beschäftigen sich mit diesen Dokumenten.

Im norddeutschen Wismar wurden diese Akten zu DDR-Zeiten jahrzehntelang nicht objektgerecht in den Räumlichkeiten des Gerichts gelagert und waren dadurch stark beschädigt. Im Rahmen des BKM-Sonderprogramms konnten die historischen Dokumente teilrestauriert, gereinigt und schutzverpackt werden, damit sie der Nachwelt längerfristig erhalten bleiben. Schließlich war das Wismarer Tribunal seit 1653 Modellgerichtshof und sein Wirken schlägt sich bis heute in der Literatur zur Juristenausbildung nieder.

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