Es war: Oder es war nicht. Die Welt ist widersprüchlicher, reicher und moderner als unser Vorurteil es wahrhaben will. Dass so manche Einschätzung in ihrer scherenschnittartigen Ziselierung, dennoch nur schwarz und weiß abbildet, lehrt der Blick zurück und hinein in den Nachlass des Oberbürgermeisters Oskar Kalbsfell, in die Bibliothek zu Friedrich List (1789–1846) und in die Akten der Nachkriegszeit; alle Unterlagen und Papier konnten langfristig gesichert werden.

Die Empörung war kaum zu überhören als im Sommer 2017 der zukünftige Präsident der Vereinigten Staaten sich in seiner Absichtserklärung an den bedeutendsten deutschen Wirtschaftstheoretiker des 19. Jahrhunderts, Friedrich List, und seine 200 Jahre alte Lehren anlehnte. „Du Simbel!“ schmetterte es aus deutschen Landen zurück: Sobald es um Protektionismus gehe, werde List als Befürworter angeführt. Während der Vorkämpfer des Deutschen Zollvereins den Freihandel zwischen Nationen gleicher Leistungsfähigkeit befürwortete, sprach er sich für Zollmauern aus, jedoch im Angesicht deutscher Ackerbürgerstädte und einer erdrückenden englischen Konkurrenz. Die Einführung temporärer Schutzzöllen sollte aufstrebende Manufakturen vor ausländischer Konkurrenz schützen, die „Pflanzung einer Manufakturkraft“ in rauen Wassern sei schlicht unmöglich.

Eine „vollendete Gesellschaft“ schwebte dem Wirtschafts- und Entwicklungstheoretiker List vor, diese basiere auf wirtschaftlichen und gleichfalls auf (verkehrs-)technischen Entwicklungen:

Dampfschifffahrt, Eisenbahn und Telegraphie entwachsen den Kinderschuhen, da drückt der zweite Weltkrieg alle Wirtschaftswirklichkeit zu Boden und für die Reutlinger Bürger geht es um alles. Der spätere Oberbürgermeister Reutlingens, Oskar Kalbfell, nimmt das Wohl seiner Heimat in die Hand. Im April 1945 nähern sich die französischen Truppen der Stadt. Kalbfell trifft die Entscheidung ihnen mit der weißen Flagge in der Hand entgegenzugehen. Es bleibt friedlich. Das von Fliegerangriffen der Alliierten getroffene Reutlingen wird ohne weitere Zerstörung in französische Hand übergeben. Und von nun an geht es bergauf. Oskar Kalbfell wird Oberbürgermeister, Mitglied des Land- und des Bundestags … Doch wenn die Karriere mit einem Clou beginnt, stellt sich die Frage, wann der Peak erreicht ist. Die Hochzeit Oskar Kalbfells gibt sein Nachlass preis, während der Besuch in der Bibliothek zu Friedrich List dazu einlädt die Protagonisten des Protektionismus gegeneinander antreten zu lassen.

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