Es setzen sich nur so viele Wahrheiten durch, als wir durchsetzen.“

Dieses Zitat von Bertolt Brecht aus seinem Werk „Leben des Galilei“ zeigt die herausragende Bedeutung, die dem Originalerhalt zukommt. Denn nur durch die Bewahrung einzigartiger historischer Materialien können Forschung und Wissenschaft weiterhin zu „Wahrheiten“, also neuen Erkenntnissen gelangen. Ein derartiger Bestand ist der auch autografe Nachlass von Bertolt Brecht selbst, der im Rahmen des BKM-Sonderprogramms wieder nutzbar gemacht werden konnte. Zu dem Bestand gehören zirka 200.000 Signaturen, bestehend unter anderem aus Einzelblättern, Klebetyposkripten, Ausrissen und Fotografien.

Der schriftliche Nachlass des Schriftstellers Brecht gehört zum nationalen Kulturgut der Bundesrepublik. Folglich ist der Originalerhalt dieses Materials auch von internationalem kulturgeschichtlichem Interesse, da der Autor auch in Zukunft eine zentrale Rolle in Forschung und Lehre einnehmen wird. Der Dichter und Dramaturg von internationalem Rang ist für die Akademie der Künste Berlin (AdK) besonders wichtig, da das Bertold-Brecht-Archiv als wertvollster Bestand am häufigsten von der AdK genutzt wird und auch für externe Benutzer sehr oft bereitgestellt wird. Selten liegen Nachlässe überdies in solcher Vollständigkeit vor, wie im Fall von Bertolt Brecht.

Der Bestand besteht hauptsächlich aus sehr dünnem Durchschlagpapier, auf dem der Dichter einmalige lyrische und dramatische Werkfassungen notiert hat. Der Schwerpunkt lag bei diesem Bestanderhaltungsprojekt auf konservatorischen Maßnahmen an diesen Unikaten. Hierzu wurde der Bestand vor allem umfassend gereinigt und in größere Schutzverpackungen umverteilt, die eine schonendere Lagerung ermöglichen. Die vorherige Lagerungssituation war laut eines Gutachtens größtenteils ungenügend. Im Verlauf des Projekts wurde beispielsweise der Fotobestand als Teil der Sammlung, der ungefähr 600.000 Einzelbilder und Negative enthält, in entsprechendes Hüllmaterial umgelagert. Zudem wurden Knicke am Papier aus dem weiteren Bestand beseitigt, lose Teile gesichert und zuletzt Signaturschilder für die Sammlung beschriftet.

Zum Auslaufen des Urheberrechts am Nachlass Bertolt Brechts im Jahr 2027 ist die Digitalisierung und Online-Publikation des Materials geplant. Die konservatorischen Maßnahmen sind dafür eine essentielle Vorbereitung.

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