Das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam engagiert sich als Nachlassverwalter des jüdischen Schrifterbes und widmet sich der interdisziplinären Erforschung der europäisch-jüdischen Geschichte und Kultur. Es beheimatet seit 1992 die ehemalige Privatbibliothek des deutsch-israelischen Historikers und Archivars Alex Bein (1903–1988). Zunächst am Reichsarchiv in Potsdam tätig, emigrierte Bein 1933 nach Palästina, um dort das Archivwesen aufzubauen. Der von Ministerpräsident David Ben-Gurion (1886–1973) zum ersten Staatsarchivar Israels ernannte Wissenschaftler gilt noch heute als der führende Forscher zum Zionismus und baute sich eine 7.000 Bände umfassende, teilweise hebräische Büchersammlung auf, die ihm als Grundlage seiner zahlreichen Veröffentlichungen diente. Dreißig laufende Meter dieser Forschungsbibliothek waren schwer von Schimmel befallen und bereits teilweise von Pilzen zersetzt. Die Mitarbeiter mussten zur Verpackung der Bücher, Zeitschriften und Archivalien Schutzbekleidung tragen, weil die Luft des kleinen Raums mit hochgiftigen Sporen belastet war. In einer externen Restaurierungswerkstatt wurde jedes einzelne Blatt unter der Reinen Werkbank trocken gereinigt und der Papierzerfall durch Schimmelkontamination gestoppt.

Die Sammlung von Alex Bein ist nicht nur eine bedeutende Forschungsquelle. Sie erinnert an den Schicksalsweg des Schöpfers, den Versuch der Zertrennung und Zerstörung der langen Traditionslinie des deutschen Judentums durch die Nationalsozialisten, und sie ermöglicht gleichzeitig eine Rückbesinnung auf diese fruchtbare Traditionslinie.

Foto © Bastian Hoffmann

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