Vier mittelalterlichen Handschriften, einigen Inkunabeln und Frühdrucken in der Anhaltnischen Landesbücherei Dessau sah man ihre bewegte Geschichte an: Sie stammten ursprünglich aus dem im 10. Jahrhundert gegründeten freiweltlichen Kanonissenstift Gernrode im Harz. Das Stift entwickelte sich schnell nicht nur zu einem religiösen, sondern auch zu einem politischen Zentrum der Region und die zum Teil hochgelehrten Stiftsdamen beherbergten Kaiser wie Heinrich V. oder Friedrich Barbarossa. Die Bibliotheks-, wie auch die erste Schulgründung der Stadt im 16. Jahrhundert gingen auf die Kanonissen zurück. Im 17. Jahrhundert wurde das – zwischenzeitlich zu einem evangelischen Damenstift umgewandelte – Stift Gernrode aufgelöst. Seine Besitzungen wurden dem Haus Anhalt zugesprochen. Darunter befand sich auch die Bibliothek, die zunächst in die Herzogliche Bibliothek Bernburg, dann in die die Herzoglich Anhaltische Behördenbibliothek und schließlich in die Anhaltische Landesbücherei Dessau gelangte. Durch Luftangriffe im Jahr 1945, spätere Plünderungen und Abtransporte wurde der Bestand dieser Einrichtung um 90% reduziert und aus der Bibliothek des Stifts Gernrode blieben nur wenige Bände übrig. Diese waren zusätzlich durch die unsachgemäße Lagerung während und nach dem Krieg geschädigt und mussten dringend restauriert werden.

Im Rahmen eines KEK-Modellprojekts konnten insgesamt 17 Bände restauriert werden, wozu neben der Papierrestaurierung auch die Restaurierung von Einbänden und Buchschließen zählte, um die Buchblöcke dauerhaft zu stabilisieren. Zusätzlich wurden Schutzkassetten für die restaurierten Bände beschafft, um sie in Zukunft vor Schmutz und Licht geschützt aufbewahren zu können. So kann der über die Jahrhunderte gerettete Teil der Handschriften und Druckwerke auch weiterhin Zeugnis über die Geschichte und Bedeutung des Frauenstifts Gernrode ablegen.

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