Rostock war nach Lübeck eine der ältesten und größten Hansestädte an der Ostsee und zählte bis zum letzten Hansetag 1669 zu den wichtigen Mitgliedern des Städtebündnisses. Umfangreich spiegelt sich diese Epoche in den Beständen des Archivs der Hansestadt Rostock wieder. Für die Erforschung der Geschichte der Hanse liefert die vergleichsweise außerordentliche Geschlossenheit der Überlieferung eine wichtige Voraussetzung und bietet zugleich die Quellenbasis für die mittelalterliche und frühneuzeitliche Landes- und Stadtgeschichtsschreibung. Hier nimmt der Urkundenbestand einen besonderen Stellenwert ein, denn insbesondere diejenigen Urkunden, die im Zusammenhang mit der Hanse stehen, sind Erkenntnisquellen ersten Ranges, denen aufgrund ihres einmaligen Charakters eine herausgehobene Bedeutung zukommt.

Nachdem die wissenschaftliche Erschließung und Auswertung des Bestandes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begonnen wurde, lagern die wichtigsten und repräsentativsten Urkunden seit 1907 in der sogenannten Trese, einem aufwendig gestalteten Raum, der die „Treseurkunden“ beherbergt, darunter befinden sich auch die 45 Urkunden zur Hanse. In ihrer Unikalität und rechtlichen Relevanz dienten die Hanseurkunden primär als Nachweise von Besitz und Privilegien und wurden jahrhundertelang entsprechend häufig in Anspruch genommen, vorgezeigt, gelesen, abgeschrieben, bestätigt oder ausgehändigt. So sind viele Urkunden von ihrer wechselvollen Geschichte gezeichnet, weisen typische alterungs- und benutzungsbedingte Schäden auf, sind stark verschmutzt, geknickt oder brüchig und in ihrem weiteren Bestand erheblich gefährdet. Überdies erwies sich die konservatorische Aufbewahrung der Archivalien in der Trese als unzureichend und überholt: Mehrfach gefaltet, in handelsüblichen Briefumschlägen verpackt, lagen die häufig mit mehreren Siegeln versehenen Urkunden im Durchschnitt zu acht oder zehnt in schwergängigen Schubladen und mussten bei jeder Benutzung auseinandergefaltet werden. Etwa die Hälfte der Siegel war gravierend beschädigt oder zerbrochen.

Im Jahr 2010 konnten im Rahmen des durch die KEK unterstützten Modellprojektes 31 mit Siegeln bestückte Hanseurkunden aus der Trese restauriert und für die Zukunft gesichert werden. Neben der Verbesserung der Substanz der Pergamente galt das Augenmerk der Restaurierungsmaßnahmen auch der Wiederherstellung der Siegel. An 23 Siegeln waren umfassende Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen notwendig, so wurden beispielsweise fehlende Bruchstücke und Ränder mit Bienenwachs aufgefüllt, um sie so in ihrer Substanz zu sichern. Für 31 Einzelurkunden – darunter Besiegelungen von Schutzbündnissen und Verbürgungen für Handelsprivilegien, Sühne- und Münzverträge – ist es gelungen, den in seiner Formgebundenheit typischen Charakter der Dokumente zu retten und für die Zukunft zu bewahren.

Fotos © Archiv der Hansestadt Rostock

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