Die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften (OLB) ist mit 140.000 Bänden die größte Bibliothek der Stadt Görlitz und zugleich die wichtigste Regionalbibliothek zwischen Dresden und Breslau. Als öffentlich-wissenschaftliche Bibliothek befördert sie den Wissenstransfer und Identitätsfindung zwischen Deutschland, Polen und Tschechien. Einen hohen Stellenwert in den Beständen der Bibliothek, nimmt die wertvolle und umfangreiche Sammlung zu Jakob Böhme ein. Der Mystiker und Theosoph Jakob Böhme (1575–1624) ist zweifellos jene Görlitzer Persönlichkeit, die in der europäischen Geistesgeschichte die größte Wirkung erzielt hat. Das kleine Büchlein „Der Weg zu Christo“ wurde als einzige Schrift Böhmes zu seinen Lebzeiten gedruckt. Es entstand 1623 in der Görlitzer Druckerei von Johannes Rhambau. Mit ca. 1.500 Werken und Aufsätzen besitzt die OLB weltweit die größte Sammlung zu Leben und Werk des Görlitzer Theosophen. Es handelt sich dabei um Bücher und Handschriften aus dem ehemaligen Besitz der Linzer „Engelsbrüder“, einer Gemeinschaft von Böhme–Freunden. Ihre Zurückgezogenheit von der „äußeren Welt“ und die Abgrenzung gegen die wissenschaftliche Öffentlichkeit hatten dazu geführt, dass über einen Zeitraum von rund 200 Jahren der genaue Besitz und Aufenthaltsort der Autographe Jacob Böhmes in der Wissenschaft unbekannt war. Die selbstgewählte Isolation der Engelsbrüder und –schwestern hatten über einen Zeitraum von zwei Jahrhunderten den schützenden äußeren Rahmen geschaffen, in dem sich Manuskripte Böhmes unversehrt und ohne Verluste erhalten haben. Fatalerweise ließ aber eben diese Weltabgewandtheit, die Gruppe während der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur in das Visier der Machthaber geraten. Nach der 1941 durch die Geheime Staatspolizei erfolgten Beschlagnahme dieses Archivs, wurden die in 43 Kisten verpackten Manuskripte und Drucke 1943 dem Görlitzer Ratsarchiv übergeben, von wo aus sie nach kurzer Sichtung und Registrierung in Auslagerungsorte östlich der Neiße gebracht wurden. Etwa die Hälfte davon kehrten nach dem Ende des II. Weltkrieges nach Görlitz zurück und bildet seitdem hier den Grundstock der Bestandsgruppe „Jacob Böhme“.

Teil dieser Sammlung sind zwei restaurierte Handschriften, welche Abschriften von Johann Wilhelm Überfelds Sendschreiben (Vol. II und III) darstellen. Die Besonderheit der Handschriften sind die vielen unterschiedlichen Schreiber, demzufolge unterschiedlichen Handschriften und die vielen verschiedenen Tintenfarben, welche die Handschriften einzigartig und besonders machen. Die starken Verbräunungen der Handschrift sind auf die Korrosion (Oxidation) der in der Tinte enthaltenen Kupferelemente zurückzuführen. Die nichtwässrige Kupferfraßbehandlung zur restauratorischen Bearbeitung von zum Teil stark verbräunten Handschriften ist eine Maßnahme, welche den Kupferfraß sehr stark verlangsamt.

Kupferfrassbehandlung mit Antioxidantien
Foto oben © Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften Görlitz
Foto unten © Jana Moczarski

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