Die ungefähr 1.500 Rheinlaufkarten aus dem Bestand der Rheinischen Landesbibliothek in Koblenz und der Pfälzischen Landesbibliothek in Speyer, die vom 16. bis zum 19. Jahrhundert reichen, sind von großer Bedeutung für die historische Kartografie auch weit über die Grenzen des Landes Rheinland-Pfalz hinaus. Die in der Kartensammlung dokumentierten Veränderungen des europäischen Grenzflusses Rhein betreffen beispielsweise Gebiete in der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden und bezeugen zugleich die politischen Gegebenheiten ihrer Zeit, etwa kriegerische Auseinandersetzungen in der Grenzregion.

Sieben Karten aus dem Bestand – teils Drucke, teils Handzeichnungen – wurden für das Modellprojekt des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz ausgewählt, da sie aufgrund ihres Überformats in der Vergangenheit nur unzureichend gelagert werden konnten und in der Folge massive Schäden erlitten haben. Mit einer Länge von bis zu 3,7 m konnten sie nicht in Kartenschränken aufbewahrt werden und waren deshalb jahrelang Licht, Staub und mechanischen Einwirkungen ausgesetzt. Die Folgen sind Einrisse, Knicke, Substanzverluste und Verschmutzungen. Teilweise sind die Karten bereits in einzelne Segmente zerfallen. Hinzu kommen unsachgemäße Reparaturen und Kaschierungen der Karten.

Drei der Karten stammen aus der wertvollen Sammlung Fritz Hellwig, darunter die „Carte topographique Du Cours du Rhin Depuis Basle Jusqua Mayence“ von Jean de Beaurain. Die 1760 in Paris gedruckte Militärkarte zeigt den Rhein zwischen Basel und Mainz während des Holländischen Kriegs, vermutlich im Sommer des Jahres 1674 zur Zeit der Schlacht bei Sinsheim. Zwei handgezeichnete Karten aus der Sammlung dokumentieren ihrerseits den Flussverlauf von Altrip bis zur Neckarmündung und spiegeln die durch Johann Gottfried Tulla im frühen 19. Jahrhundert vorgenommenen Rheinregulierungen wider. Die letzten beiden Karten zeigen das Rheingebiet nördlich der französischen Grenze.

Um die Karten wieder benutzbar zu machen und langfristig zu sichern, wurden sie durch verschiedene Maßnahmen konservatorisch gesichert. Nach ihrer Trockenreinigung wurden Einrisse mit Japanpapier geschlossen und Knickfalten reduziert sowie Fehlstellen ergänzt. Frisch geglättet werden die Karten nun in eigens nach Maß angefertigten Archivkartons plan gelagert. Derart begradigt können die Karten auch in ferner Zukunft noch Auskunft zu den Biegungen und Kurven des Rheins geben!

Diesen Beitrag teilen auf:



Anregungen und Kommentare

Feedback