Von islamischer Kalligrafie, hebräischer Schriftkunst und der karolingischen Minuskel bis zu modernen Künstlerschriften des 20. Jahrhunderts – die Vorbildersammlung „Schriftkunst“ der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin (Stiftung Preußischer Kulturbesitz) zeichnet sich durch ihre Vielfalt an Formaten, Materialien, Techniken und Gebrauchskontexten der in ihr versammelten Schriftbeispiele aus. Arabische Kufi-Schriften finden sich darin ebenso wie Werke der deutschen Kalligrafin Anna Simons (1871-1951) und die Formate umfassen neben Urkunden und Buchseiten auch ausgeschnittene Initialen, Lehrbriefe und Wandsprüche. Die 640 Objekte der Bestandsgruppe, bei denen es sich überwiegend um unikale Handschriften handelt, datieren vom 8. bis zum 20. Jahrhundert und haben zum Ziel, Schriftgeschichte modellhaft und exemplarisch abzubilden. Die Sammlung wurde zwischen 1880 und 1930 aufgebaut und war von Beginn an für den Einsatz in Forschung und Lehre gedacht. Aktuell ist sie als Lehrmaterial für den Studiengang „Visuelle Kommunikation“ vorgesehen.

Allerdings haben die Objekte durch unsachgemäße Handhabung in der Vergangenheit teilweise großen Schaden erlitten. Die Verwendung von säure- und weichmacherhaltigem Montagematerial sowie das Fehlen oder das Anbringen ungenügender Abstandhalter hat zu chemischen Belastungen, Spannungen, Papierzerfall und mechanischen Schäden geführt, die dringend behoben werden müssen.

Das von der KEK geförderte Modellprojekt mit einer Laufzeit von zwei Jahren zielt darauf, in einem ersten Schritt aus der Gesamtmenge der Objekte diejenigen zu identifizieren, bei denen unter konservatorischen Gesichtspunkten sowie aufgrund ihrer Modellhaftigkeit eine Restaurierung am dringlichsten geboten ist. Die ausgewählten 10-12 % der Schriftstücke werden zunächst aus ihrer momentanen, schädlichen Präsentationsform demontiert und in der Folge konservatorisch und restauratorisch behandelt. Die Maßnahmen sind der Heterogenität der Sammlung entsprechend ebenfalls vielfältig und beinhalten unter anderem die Trocken- und Feuchtreinigung der Schriftträger und das Schließen von Rissen und Fehlstellen, aber auch Sicherungsmaßnahmen an gebrochenen Wachssiegeln und Retuschen. Im Anschluss wird der langfristige Erhalt der Objekte durch die Schutzverpackung in aktuellen konservatorischen Standards entsprechenden Aufbewahrungsbehältnissen und Sammlungskästen gewährleistet, um so die Kunst des Schönschreibens für die Zukunft zu bewahren.

Foto © Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin

Diesen Beitrag teilen auf:



Anregungen und Kommentare

Feedback