Balthasar Neumann (1687-1753) zählt zu den wichtigsten Architekten des Barock und des Rokoko. Er entwarf Pläne für die heutigen UNESCO-Welterbestätten Würzburger Residenz, Schloss Augustusburg und Falkenlust, für Schloss Bruchsal, die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, den Innenraum der Pfarrkirche St. Paulin in Trier und rund 100 weitere bedeutende Bauwerke.

Die unter der Signatur „Delineationes II“ in der Universitätsbibliothek Würzburg aufbewahrten 166 mit Bleistift oder Tusche ausgeführten Pläne und Entwürfe zeigen Amtsgebäude, städtische Wohn- und Geschäftshäuser, Kirchen, Schlösser und Landsitze. Da einige der nach Neumanns Entwürfen errichteten Gebäude inzwischen nicht mehr existieren, sind diese Dokumente teilweise die einzigen Belege ihrer Baugeschichte.

Die wertvollen Blätter lagen im Wesentlichen in dem Zustand vor, wie sie im 19. Jahrhundert in die Bibliothek kamen. Sie trugen aber nicht nur die Spuren der Benutzung seither, sondern auch der improvisierten Auslagerungen im Bombenkrieg 1944/1945. Offenbar sind die einzelnen Pläne unterschiedlicher Größe ursprünglich aus einem Klebeband ausgelöst worden und lagen seitdem lose, ohne Passepartouts oder Zwischenblätter und teilweise gefaltet, in zwei brüchigen Mappen des späten 19. Jahrhunderts. Fast alle Blätter wiesen starke Gebrauchsspuren auf, waren verschmutzt, abgegriffen und fleckig. Besonders am Rand und entlang der Knicke waren Risse festzustellen, teilweise in alten Ausbesserungen unsachgemäß hinterklebt. Klebstoffrückstände setzten den Blättern zusätzlich zu. Eine Sicherung dieser in ihrem Bestand bedrohten einzigartigen Sammlung zur Architekturgeschichte des 18. Jahrhunderts war daher dringend erforderlich.

Mit Hilfe der KEK konnten im Jahr 2011 die Original-Baupläne vor weiteren Schäden geschützt und wieder für die wissenschaftliche Bearbeitung und weitere Erschließung  zur Verfügung gestellt werden. Zu den modellhaft durchgeführten Restaurierungsmaßnahmen zählten die Reinigung der Pläne, Reparaturen von Papierschäden und Einzel-Montage mit Japanfalz und die Entfernung von alten Verklebungen, um eine weitere Beeinträchtigung der Originalsubstanz zu vermeiden. Die Aufbewahrung in neuen staubdichten Mappen im klimatisierten und alarmgesicherten Handschriftenmagazin der Universitätsbibliothek Würzburg stellt außerdem die Erhaltung dieser einzigartigen Sammlung von Architekturplänen für die Zukunft sicher.

Foto © Universitätsbibliothek Würzburg

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