Schriftliches Kulturgut als Informationsquelle für gesellschaftliche Bewegungen können gerade heutzutage wieder von großem Interesse sein. Angesichts der zunehmend kritischen Auseinandersetzung mit der Produktionsweise von Konsumgütern und Lebensmitteln, spielen die historischen Dokumente aus dem Archiv für alternatives Schrifttum Duisburg (afas) auch heute eine bedeutsame Rolle.

Der Bestand zeichnet die Entwicklung der vegetarischen Lebensweise seit der Kaiserzeit nach: Er beinhaltet eine Zeitschriftensammlung, die Vereinsregistratur des Vegetarierbunds und den Nachlass von Magnus Schwantje (1877-1959), einem Pionier des Vegetarismus und einer der tragenden Figuren des Vereins. Aus Schwantjes persönlichem Nachlass geht hervor, dass er Kontakt zu diversen Zeitgenossen, u.a. der Friedensbewegung im 19. Jahrhundert, hatte. Erkenntnisse aus diesen historischen Bewegungen könnten auch einen Beitrag zur aktuellen Debatte um Nachhaltigkeit leisten. Ebenfalls Teil des Bestands ist eine Broschürensammlung. Die einzelnen Schriftstücke stammen aus diversen Teilen der Neuen Sozialen Bewegung und behandeln verschiedensten Themen.

Die Sammlungen des afas umfasst vor allem sogenannte „graue Literatur“, das heißt Schriften, die in anderen Bibliotheken und Archiven selten zu finden sind. Alle Dokumente sind von hohem kulturhistorischem Wert. Der Bestand war durch falsche Lagerung in bisher provisorisch verwendeten Bananenkisten stark gefährdet und konnte durch die Förderung des BKM-Sonderprogramm neu verpackt werden. Um die seltenen und teils sehr fragilen Unterlagen aus dem afas im Original zu erhalten, wurden besonders gefährdete Bestände im Umfang von 30 laufenden Regalmetern umgebettet und neu verpackt. Konkret bedeutete dies, dass 14.000 Broschürentitel aus Bananenkisten in säurefreie Archivboxen umgelagert wurden. Ebenfalls wurden 25 laufende Meter der Zeitschriftensammlung in objektgerechte Mappen und Kartons verpackt, teilweise in speziellen Großformaten. Die Umbettung ist ein essentieller Bestandteil des Originalerhalts, da durch richtige Lagerung bereits ein erheblicher Beitrag zur nachhaltigen Konservierung geleistet wird, bevor die Dokumente bei noch schwerwiegenderem Zerfall restauriert werden müssen.

Durch diese bestandserhaltenden Maßnahmen können die historischen Dokumente nun wieder für die Forschung genutzt werden. In Hinblick auf den sozialen, politischen und auch ökologischen Wandel unserer Zeit ermöglichen sie somit weiterhin neue Erkenntnisse. Fest steht allerdings schon jetzt: Die Lagerung von Dokumenten in Bananenkisten wäre längerfristig keine nachhaltige Lösung gewesen.

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