Auch ungewöhnlicheres Schriftgut wie historische Tafeln und Stammbäume fallen unter den gesetzlichen Sammelauftrag der Deutschen Nationalbibliothek mit Sitz in Leipzig und Frankfurt. Zu dem Leipziger Bestand gehören unikale Anschauungs- und Stammtafeln sowie Informationsblätter aus dem Zeitraum 1912 bis 1987, die in diesem Umfang einzigartig im deutschen Sprachgebiet sind.

Die Anschauungstafeln dienten Unterrichtszwecken an staatlichen Einrichtungen, vor allem dem Einsatz in Schulen aller Art und in allen Unterrichtsfächern: von Mathematik über Geschichte bis Musik. Sie sind bildungsgeschichtlich von großem Interesse und wertvolle Quellen zu Wissensstand und Zeitgeist der jeweiligen Disziplin, die sie anschaulich machen. Weitere Wandbilder richteten sich an Berufsschulen und zielen auf die Vermittlung berufspraktischer Kenntnisse, etwa im Hinblick auf den Aufbau von Maschinen. Eine letzte Gruppe an Unterrichtsbildern stammt aus dem militärischen Bereich und behandelt Themen wie den Umgang mit Waffen und Fahrzeugen, Gefechtsstrategien oder Katastrophenschutz – es befinden sich aber auch Nähanleitungen für Uniformen darunter. Die Stammtafeln wurden aus der „Deutschen Personen- und Familiengeschichtlichen Zentralstelle Leipzig“ übernommen. Diese seltenen bis unikalen Dokumente, die kaum in Verlagen gedruckt, sondern hand- oder maschinenschriftlich angefertigt wurden, sind für genealogische Recherchen unverzichtbar.

Da die Tafeln als „Verbrauchsmaterial“ galten, wurde wenig Wert auf das eingesetzte Material gelegt. Sie waren zudem stark verschmutzt, teilweise bis in die Papierfasern hinein. In der Folge waren sie nur noch eingeschränkt benutzbar – zum Schutz der Originale sowie aus Gründen der Hygiene. Folgeschäden wie Zelluloseabbau oder Schimmel- und Insektenbefall wären perspektivisch unvermeidbar gewesen. Um die insgesamt etwa 12.000 Tafeln vor dem Verlust zu bewahren, wurden sie mit Latexschwämmen aus Naturkautschuk trockengereinigt. Der Erfolg des Projekts wurde einerseits optisch-haptisch und andererseits durch vereinzelte Messungen der Biolumineszenzwerte vor und nach der Reinigung geprüft. Letztere geben Auskunft über das Ausmaß organischer Rückstände im Papier und damit über mikrobiellen Befall. Von Schmutz befreit können die Tafeln in der Zukunft auch weitergehend konservatorisch behandelt und digitalisiert werden.

© Deutsche Nationalbibliothek

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