Darstellende Künste, zu denen das Theater gehört, sind unverzichtbarer Bestandteil europäischer Kulturgeschichte. Aufzeichnungen über Theaterinszenierungen, die vor über 150 Jahren aufgeführt wurden, liegen uns ausschließlich in schriftlicher Form vor – schließlich gab es im 19. Jahrhundert noch keine digitalen Aufnahmen. Die Sammlung des Stuttgarter Hoftheaters ist besonders umfassend: sie besteht aus 20.000 Einzelobjekten. Die 70 laufenden Regalmeter beinhalten Partituren und Einzelstimmen zu Opern, Schauspielmusiken und Instrumentalwerken aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Da im Zweiten Weltkrieg auch Theaterarchive massiv zerstört wurden, ist der Stuttgarter Bestand heute einer der fünf wichtigsten in ganz Deutschland.

Der Bestand an historischen Dokumenten ist insbesondere seit den 1990er Jahren stark gewachsen, da zunehmend Materialien vom Theaterarchiv an die Landesbibliothek übergeben wurden, an der sich der Bestand heute fast ausschließlich befindet. Die Sammlung beinhaltet persönliche Notizen der Musiker, bisher unbekannte Details zu Stücken und neue Informationen zu Aufführungen – all diese Besonderheiten machen den Bestand so einzigartig.

Der Bestand ist nicht nur quantitativ bedeutsam, sondern umfasst zudem unterschiedliche Formate, Papierqualitäten und Heftungen. Dadurch war die fachgerechte Lagerung eine Herausforderung. Der konservatorische Zustand der Dokumente war relativ schlecht – Schäden kamen insbesondere durch das Ausheben und Reponieren der Objekte zustande. Hinzu kamen außerdem weitere mechanische Schäden durch die Nutzung des Sammlungsbestands. Dieser lag zunächst unverpackt vor, wodurch das Material bereits stark verschmutzt war. Der Umzug des gesamten Magazins aufgrund von Umbau- und Sanierungsmaßnahmen hätte zusätzlich zu diesen Schäden beigetragen.

Um den weiteren Zerfall dieser unikalen Sammlung zu vermeiden, wurde zuerst eine Trockenreinigung des Bestands vorgenommen. Anschließend wurde das gereinigte Material in spezielle Schutzkassetten umgelagert. Zusätzlich können die benachbarten Magazine von der Reinigung profitieren, da kein Schmutz mehr von den Aufführungsmaterialien weitergetragen wird. Durch die Bestandserhaltungsmaßnahmen wurde diese Sammlung von einzigartigem kultur- und musikhistorischem Wert geschützt. Diese wertvollen Informationen können nun längerfristig erforscht und genutzt werden. Es ist davon auszugehen, dass die Nachfrage an Material zu Aufführungs- und Repertoiregeschichte steigen wird, da sich Kulturwissenschaften und verwandte Disziplinen zunehmend damit befassen.

 

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