Kerken ist eine beschauliche Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, unweit der niederländischen Grenze. Die Aktenüberlieferung der kommunalen Verwaltung ist aber durchaus beachtlich! Im Gemeindearchiv lagern unter anderem die historischen Unterlagen der Landbürgermeisterei Nieukerk – einer der vier Ortschaften der Gemeinde –, die einen geschlossenen Aktenbestand von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20 Jahrhunderts bilden.

Vor allem die Akten aus der Zeit von 1900 bis 1945 sind beinahe lückenlos überliefert und erlauben es auf diese Weise, die Übergänge von Kaiserreich, Erstem Weltkrieg, Weimarer Republik und Nationalsozialismus nachzuvollziehen. Machtergreifung und Konsolidierung der Nazidiktatur werden anhand der Akten am Lebensalltag der Menschen greifbar: Zum Beispiel wie Andersdenkende und Minderheiten verfolgt, örtliche Vereine und Organisationen gleichgeschaltet und die Bevölkerung für den Krieg mobil gemacht wurde. Da in vielen Städten und Gemeinden die meisten Unterlagen aus dieser Zeit durch Kriegseinwirkungen oder „Aktensäuberungen“ vernichtet wurden, sind die Nieukerkener Archivalien für Forschungen zur Entstehung, Verbreitung und den Auswirkungen des Nationalsozialismus von überregionaler Bedeutung.

Die kleine Gemeinde hat große Anstrengungen unternommen, um den stark verschmutzten und vereinzelt verschimmelten Aktenbestand zu schützen und für die Zukunft zu erhalten. Mit den Mitteln aus dem BKM-Sonderprogramm konnten mehr als 2.500 Einheiten gereinigt und schutzverpackt werden. Das zumeist säurehaltige Papier soll in einem nächsten Schritt aus Eigenmitteln behandelt werden. Bis 1995 waren die kostbaren Archivmaterialien ungeschützt auf dem Dachboden des Kerkener Rathauses untergebracht und dadurch schwankenden Temperaturen und Schmutz ausgesetzt. In ihren neuen, säurefreien Schutzkartons und unter Magazinbedingungen können sie nun noch lange überdauern!

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