Mittelalterliche Handschriften können aus den unterschiedlichen Gründen restaurierungsbedürftig sein. Kaum einer dieser Gründe ist jedoch so traurig wie die mutwillige Zerstörung schriftlichen Kulturguts. Dies ist im Fall von zwei Handschriften des Adeligen Klosters Preetz in der Nähe von Kiel geschehen. Zu einem unbekannten Zeitpunkt schnitten und rissen die ebenfalls unbekannten Täter sämtliche Miniaturen und viele der golden und farbig gefassten Initialen aus zwei liturgischen Handschriften des 14. bzw. 15. Jahrhunderts. Dabei gingen sie mit solcher Gewalt vor, dass die Schnitte zum Teil durch mehrere Pergamentblätter gehen! Die Miniaturen sind bis heute verschollen. Dass sie in den Handel gelangten, wo gelegentlich für solche Stücke hohe Preise erzielt werden konnten und können ist nicht unwahrscheinlich.

Die derart verstümmelten Handschriften verblieben in der Bibliothek des Klosters. Durch die Beschädigungen verzogen sich in der Folge die einzelnen Seiten, Knicke entstanden und auch die Heftung löste sich und führte dazu, dass der Buchblock noch unsicherer zwischen den Buchdeckeln lag. Trotz allem war die hohe Qualität dieser liturgischen Handschriften deutlich zu erkennen: eine äußerst exakte Musiknotation, gepaart mit klarer Schrift und vielfarbigen Initialen und den ehemals vorhandenen Miniaturen machten sie sicherlich zu Schmuckstücken des bis 1542 nach der Benediktinerregel geführten Frauenklosters.

Damit sie auch zukünftig wieder zu Schmuckstücken der inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Bibliothek werden, wurden die beiden Handschriften im Rahmen eines KEK-Modellprojekts restauriert. Dabei ging es zum einen darum die fragmentierten und zerschnittenen Pergamentblätter durch Hinterklebungen zu sichern und zu festigen, zum anderen darum die bereits verformten Blätter vorsichtig zu glätten, und ein Fortschreiten dieser Schädigungen zu vermeiden. Nach der Rückkehr der Bände in die Bibliothek ist diese um zwei optimal gesicherte Handschriften reicher – wichtige Zeugnisse der Traditionen der Benediktinerinnen in Norddeutschland.

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