Es begann in aller Beschaulichkeit in Schivelbein, an der pommerschen Bahnstrecke zwischen Gdańsk und Stargard gelegen, wo im Herbst 1821 Rudolf Virchow († 1902) zur Welt kam. Achtzehn Jahre später traf der junge Herr in der Hauptstadt ein, um die Friedrich-Wilhelm-Universität als Doktor der Medizin abzuschließen. Der Grundstein für eine außerordentliche Medizinkarriere war gelegt, die ein Leben lang einer sozialen Medizin verbunden bleiben sollte. Virchows Sympathie für die Medizin war nie unkritisch, beständig verfolgte er sie in einer Weitwinkelperspektive, die einem geistes- als auch einem naturwissenschaftlichen Strang folgte. Bemerkenswert war seine Haltung zur Gesundheitsversorgung: „Die Medizin ist eine soziale Wissenschaft, und die Politik ist nichts weiter als Medizin im Großen.“ Als Mitglied des Kommunalparlaments kämpfte er für eine moderne Kanalisation, im Deutschen Reichstag verfolgte er den Aufbau einer staatlichen medizinischen Grundversorgung und als Otto von Bismarck ihn zum Duell aufforderte, lehnte Virchow ab und klärte den Staatsmann darüber auf, dass es sich hierbei um keine zeitgemäße Art der Diskussion handele.

Die Verwicklungen in die Märzrevolution 1848 führten ihn von Berlin nach Würzburg. Mit dem Fernblick auf die „politische Arena“ der Hauptstadt las er am Lehrstuhl für Pathologische Anatomie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Zuerst von Würzburg aus, dann wieder in Berlin als Direktor des neu gegründeten Pathologischen Instituts der Charité, mikroskopierte er Zellen: Mit omnis cellula e cellula verabschiedete Virchow die 2000 Jahre alte Idee und gängige Lehrmeinung von den Körpersäften und veröffentlichte sein epochemachendes Werk zur Zellularpathologie. Jede Zelle entsteht aus einer Zelle, die Urschleimlehre ist perdu.

Es endete in Glanz und mit Gloria: Abseits der Entwicklungen in Medizin und Biologie verblieb das Urkundenkonvolut Rudolf Virchows im Besitz der Humboldt-Universität. Der Zahn der Zeit zeigte sich. Nach der Restaurierung und der Planlegung der Papiere bezeugen Ehrenpräsidentschaften und Gratulationen in Farbe und blattgoldbeblättert das Schaffen und Wirken des Begründers der modernen Medizin.

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