Die Bayerische Staatsbibliothek beherbergt mit über 1,4 Mio. Bänden eine der weltweit umfangreichsten und bedeutendsten Osteuropa-Sammlungen. Seit 1950 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft die Erwerbung von Büchern zu und aus den Ländern Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas, zunächst in Form eines Sondersammelgebiets und seit 2016 durch einen Fachinformationsdienst.

Allerdings war die Qualität des in der Buchproduktion eingesetzten Papiers in Osteuropa deutlich schlechter als im Westen, weshalb große Teil der Bestände stark durch Säure angegriffen sind. Ziel des Projekts war es deshalb, einen besonders gefährdeten Teilbestand zu entsäuern und mit einer alkalischen Reserve auszustatten. Ausgewählt wurden hierfür vor allem Publikationen aus den Jahren 1851 bis 1990, da für diesen Zeitraum der Säuregehalt als besonders hoch angenommen werden kann. Bücher, die ab 1991 erschienen sind, wurden auf ihre Papierfarbe und -stabilität hin untersucht und nur bei Bedarf für die Entsäuerung vorgesehen. Hierbei konnte der in einem vorherigen KEK-Modellprojekt entwickelte pH-Teststift zum Einsatz kommen, der den Alkaliwert des Papiers misst und in Form einer Ampelanzeige den Entsäuerungsbedarf angibt. Rund 5.800 kg Bibliotheksgut – das sind ungefähr 6.500 Bände – wurden schließlich einem Entsäuerungsbad unterzogen und mit einer basischen Alkalireserve versehen.

Besonderer Wert wurde in dem Projekt auf die Qualitätskontrolle der durchgeführten Maßnahmen gelegt. Neben der Durchsicht aller Bände auf augenfällige Schäden wie Farbänderungen oder -wanderungen, Kontaktschäden oder Newtonsche Ringe wurde bei rund 180 Büchern eine Dickenmessung vorgenommen. Bei zehn ausgewählten Bänden wurden zudem die Alkaliaufnahme und deren Homogenität durch eine Röntgenfluoreszenzanalyse gemessen. Entsäuerungsstatus und Testwerte wurden im Verbundkatalog in einem eigenen Katalogfeld vermerkt, sodass zukünftige bestandserhalterische Maßnahmen überregional abgeglichen und kooperativ koordiniert werden können.

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