Die Forschungsbibliothek Gotha beherbergt mit über 3.500 Bänden die drittgrößte orientalische Sammlung in Deutschland. Teil des Bestands ist eine Gruppe kleinformatiger arabisch-türkischer Gebetbücher aus dem 10. bis 11. Jahrhundert islamischer Zeitrechnung (16. bis 17. Jahrhundert im gregorianischen Kalender). Durch mehrfache kriegsbedingte Verlagerungen – als Beute im Zuge der Türkenkriege sowie des Zweiten Weltkriegs – sowie ihre starke Nutzung für das persönliche Gebet oder als Talisman haben die arabischen Handschriften, die sich noch in ihren Originaleinbänden befinden, vielfache mechanische Schäden erlitten und weisen starke Gebrauchsspuren auf. Weitere Schäden kamen durch ältere Reparaturarbeiten aus dem 19. Jahrhundert hinzu, insbesondere durch den Einsatz ungeeigneter Verklebungen.

19 der Bände wurden mit Hilfe der KEK-Fördermittel wieder soweit wie möglich in ihren Ursprungszustand versetzt und können nun im Forschungslesesaal der Bibliothek in Gotha eingesehen werden. Außerdem werden sie in Ausstellungen sowie Universitäts- und Schulseminaren einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht, beispielsweise im Rahmen des Masterstudiengangs „Sammlungsbezogene Wissens- und Kulturgeschichte“ an der Universität Erfurt.

Der historisch gewachsene Sammlungszusammenhang, ihre bewegte Provenienzgeschichte sowie handschriftliche Eintragungen und die reich ornamental verzierten Einbände der Gebetbücher machen sie zu einzigartigen Zeugnissen der komplexen Austauschprozesse zwischen Europa und dem Nahen Osten. Die kleinen Kulturschätze, die orientalische und westliche Herstellungstechniken miteinander verbinden, wurden minimalinvasiv an Ledereinbänden und Papier restauriert und anschließend schutzverpackt, um so noch viele weitere Jahrhunderte überdauern zu können!

Fotos © Forschungsbibliothek Gotha

Diesen Beitrag teilen auf:



Anregungen und Kommentare

Feedback